Magdeburg l Für David Wrobel schließt sich endlich ein Kreis. Nach zehn Jahren darf er dort, wo er noch dem Weltmeister Robert Harting zujubelte, selbst den zwei Kilogramm schweren Diskus durch das Rund des Berliner Olympiastadions katapultieren. 2009 hatte sich David Wrobel gesagt: „Ich will der Beste sein.“ 2019 sagt David Wrobel: „Ich will deutscher Meister werden.“

Und nicht nur das: Noch nie hat der 28-Jährige den Diskus zu einer internationalen Meisterschaft in der Elite geworfen. Doch bei den nationalen Titelkämpfen am Sonnabend (18.10 Uhr) stehen die Chancen bestens. Wrobel geht mit 65,86 Metern als Dritter der Jahresrangliste in den Wettbewerb. Zweimal hat er die 65 Meter in dieser Saison bereits überboten. Gerne hätte er einen Meter mehr geworfen. „Mein Ziel ist es, im Herbst die perfekte Leistung abzurufen.“ Bei der Weltmeisterschaft in Doha (Katar/28. September bis 6. Oktober) nämlich. „Aber ich nehme sie auch schon gerne mit, wenn sie vorher kommt“, sagt Wrobel lächelnd. Sein Bestwert steht bei 65,98 Metern.

Seit 2013 kontinuierlich gesteigert

Bei der Generalprobe in Mössingen hat er 64,00 Meter erzielt. Und das nach einer kurzzeitigen Durststrecke, als „ich einige technische Probleme hatte“, und bei Windstille. „Wir haben in diesem Jahr die Periodisierung so gut hinbekommen, dass ich rechtzeitig wieder auf dem aufsteigenden Ast bin und die Fahrtrichtung nach Berlin stimmt“, betont Wrobel.

Auf diesem Ast bewegt er sich ja seit Dezember 2013, seit seiner Ankunft in Magdeburg. Jedes Jahr ging es seither für ihn weiter. Da lag sein schwerster Gang schon hinter ihm – inklusive der zwischenzeitlichen Gedanken an einen Wechsel ins Ausland. Es gehört eine ganz spezielle ausdauernde Geduld dazu, sich immer wieder der Qualifikation für ein internationales Event zu stellen, immer wieder aufzustehen, wenn er es wieder verpasst hat. „Aufgeben gibt es bei mir nicht“, erklärt Wrobel gelassen und entspannt. Und dafür gibt es einen Grund.

Frust lässt Wrobel in der Heimat raus

Es ist nämlich wahrlich nicht so, dass Wrobel keine Frustgrenze hat. Aber die überschreitet er allenfalls in seiner schwäbischen Heimat, bei seiner Mama, sie heißt Eleonore. „Da lasse ich meinen Frust raus“, berichtet er lächelnd. Und sie hat immer gesagt: „Du musst immer mit Leistung überzeugen.“ Also sucht Wrobel immer wieder aufs Neue nach der Leistung, mit der er auf nationalem und internationalem Parkett überzeugen kann.

National will er das nun in Berlin. Seit zwei Wochen schaut Wrobel auf die Wetterprognose. „Wenn wir abends gegen das Marathontor im Olympiastadion werfen, zieht sicher auch ein kleines Lüftchen rein“, meint er lächelnd. Bis dass der Diskus zum Titel fliegt oder: „Wenigstens eine Medaille sollte es schon sein.“