Es passiert überall. Sie dämmern mit tiefen Augenringen in Bussen vor sich hin. Liegen auf ihren Armen in Pressezentren. Oder haben am hellerlichten Tag irgendwo ein paar Stühle zusammengestellt und sich hingelegt. Jede freie Minute wird in diesen finalen Tagen der Olympischen Spiele zum Schlafen genutzt. Und das hat seinen guten Grund. Der Stress ist hoch, aber die Nächte sind extrem kurz. Das Motto heißt: Schlaflos in Pyeongchang.

Das hängt nicht mit exzessiven Feiern zusammen. Sondern mit den TV-Sendern speziell aus Europa. Sie wollen ihrem Millionen-Publikum die Wettbewerbe trotz der acht Stunden Zeitunterschied zu Südkorea zu einigermaßen normalen Zeiten präsentieren, damit die Quote möglichst hoch ist. Das führt dazu, dass erstmals in der Geschichte ein Skispringen nach Mitternacht geendet ist. Auch andere Disziplinen wie Biathlon, Nordische Kombination oder Langlauf gehen in den späten Abendstunden über die Bühne.

Im Bett ist man dann nach der unvermeidlichen Arbeit und den noch unvermeidlicheren Busfahrten meistens gegen drei Uhr nachts. Spätestens vier, fünf Stunden später klingelt wieder der Wecker für Skicross, Curling oder Eishockey. Das zehrt an der Substanz. Zum Glück geht es bald nach Hause zum Ausschlafen. Es sei denn, man wird wie ein deutscher Kollege am Montag nach Olympia direkt zum Social-Media-Dienst eingeteilt …

Lars Becker (48) ist freier Journalist aus München und zum zwölften Mal bei Olympischen Spielen dabei, davon zum sechsten Mal bei Winterspielen