Dubai/Magdeburg l In der Nacht vor dem Start gab es den letzten regen Austausch zwischen Dubai und Magdeburg, zwischen Athletin und Trainerin, zwischen Marie Brämer-Skowronek und Theresa Wagner. Am Telefon. „Wir sind einzelne Dinge durchgegangen, um Routine reinzubringen“, berichtet Wagner. Als wäre sie also in Dubai dabei, als würde ihre Stimme durchs Stadion hallen. Denn ob ihres lauten Organs kann sich Wagner sicher sein, dass Brämer-Skowronek sie auch zwischen Tribüne und Kugelstoßring jederzeit ganz hervorragend hören kann.

Wagner war aber nicht in Dubai, nicht bei den Weltmeisterschaften der Para-Leichtathleten gestern Morgen. Zumindest nicht körperlich. Vielleicht hat Brämer-Skowronek vom SCM dennoch ihre Trainerin gehört, als sie im zweiten der sechs Versuche die Drei-Kilo-Kugel auf 7,41 Meter stieß, damit ihren bisherigen Rekord um 15 Zentimeter übertraf und Platz fünf in der Klasse  34 belegte. Sie sagt: „Wir haben ein enges Verhältnis. Und ich bin froh, dass Theresa mir den Trainingsplan schreibt und die Rückendeckung gibt, auch wenn sie nicht vor Ort ist.“

Irgendwie froh, nicht ganz glücklich

Beide einte nach dem Wettkampf, dass sie irgendwie froh, aber nicht ganz glücklich sein wollten mit dem Resultat. „Ich bin mit gemischten Gefühlen rausgegangen, im Nachhinein betrachtet wäre mehr drin gewesen“, sagt die 28-jährige Athletin, die aufgrund einer spastischen Lähmung auf den Rollstuhl angewiesen ist. „Ich würde mir wünschen, wenn sie im letzten Versuch mal den Kopf zumachen und Vollgas geben würde“, erklärt Wagner (29) mit dem Blick auf 6,98 Meter im abschließenden Durchgang.

Letztlich aber hat sich bestätigt, was in der Weltrangliste bereits notiert worden war: Rang eins für Lijuan Zou (China/8,76), Rang zwei für Saida Amoudi (Marokko/8,09), Rang drei für Vanessa Wallace (Großbritannien/7,66) und Rang vier für Jessica Gillan (Neuseeland/7,59). 18 Zentimeter fehlten Brämer-Skowronek damit zu einem Quotenplatz für die Paralympics in Tokio im nächsten Jahr. Aber damit ist ihr Traum von den zweiten Spielen nach 2012 natürlich nicht gestorben.

Die Chance auf Tokio bleibt

Zum einen: Vom nationalen Behindertensportverband (DBS) wird wohl eine Norm um 7,30 Meter für Tokio verlangt. Zum anderen muss sie in der Weltrangliste ihren Top-Ten-Platz halten. Beides hat sie in Dubai erreicht. Und ihre deutsche Konkurrentin Charleen Kosche (6./6,92) ebenfalls geschlagen. „Das war auch unser Ziel“, sagt die Erzieherin, „wir wollten eine klare Ansage machen.“ Wagner ergänzt: „Marie hat jetzt die besten Voraussetzungen für die neue Saison.“