Magdeburg l Eine Fahrt mit dem Auto durch Rom ist zuweilen härter als ein sechsminütiger Kampf auf der Ringermatte. Nicht für den Körper, aber für den Kopf. Als sich Johann Steinforth am Dienstag aus dem Auto meldete, klang er allerdings äußerst ruhig. Und äußerst traurig zugleich. Man durfte den Freistil-Ringer von Roter Stern Sudenburg durchaus in der italienischen Hauptstadt erwarten, finden doch dort noch bis zum Sonntag die Europameisterschaften statt. Aber Steinforth fuhr eben nicht durch Rom, er lässt sich vielmehr derzeit massieren in der Physiotherapie in Magdeburg. Denn der 23-Jährige hat sich schwer verletzt, sein Olympia-Aus ist damit besiegelt.

Der 26. Januar war nämlich ein Schicksalstag für Steinforth im Olympiajahr. Im Final-Hinkampf der deutschen Mannschaftsmeisterschaft in Köllerbach ging er im Trikot von Wacker Burghausen in der Klasse bis 80 Kilogramm gegen Mihail Sava auf die Matte. Der Kampf dauerte 2:48 Minuten, ehe der Schiedsrichter ihn vorzeitig beendete. Sava hatte früh das linke Bein seines Kontrahenten erwischt, Steinforth musste sich mehrfach um die eigene Achse drehen beim Versuch, sich aus dem Haltegriff zu lösen. Dann blieb er liegen, hielt sich sein linkes Knie. Die spätere Diagnose: „Ich habe mir ein Außenband gerissen und den Meniskus angerissen“, berichtete der Magdeburger.

Zwei von drei Leistungsnachweisen fehlen

Burghausen sicherte sich letztlich mit zwei Siegen zum dritten Mal in Folge die Meisterschaft. Ein Triumph, der Steinforth allerdings wenig trösten dürfte. „Die Olympiaqualifikation ist für mich erstmal gelaufen“, sagte er. Steinforth fehlen jetzt schon zwei von drei möglichen Leistungsnachweisen, die vom Deutschen Ringerbund (DRB) verlangt werden. Erstens: Platz sechs bis zehn bei der vergangenen Weltmeisterschaft, als er Rang 27 belegte. Zweitens: Platz eins bis acht bei der EM, die er nun verpasst hat. Als drittes Kriterium hat der DRB Spitzenplätze bei internationalen Wettkämpfen vorgegeben.

Der Start bei den Sommerspielen in Tokio (24. Juli bis 9. August) war sein großer Traum gewesen, nun muss er sich diesen in Paris 2024 erfüllen. „Ich bin am Mittwoch vergangener Woche operiert worden“, berichtete Steinforth, der sich in zwei Wochen im Reha-Zentrum in Heidelberg in Behandlung begibt: „Ich werde in den nächsten drei Monaten keinen Wettkampf bestreiten und bei keinem Trainingslager dabei sein. Aber ich hoffe, dass ich so schnell wie möglich wieder auf der Matte stehen kann.“