Magdeburg l Die Zeit rauscht auch an Maximilian Planer vorbei wie der Deutschland-Achter an der Konkurrenz. Deshalb hat er seinem Körper und Geist täglich eine zehnminütige Pause verschrieben. Achtsamkeitsmeditation heißt das Mittel zur temporären Selbstfindung. Bei aller Liebe zum Sport und zum Leben „hat man letztlich doch am wenigsten Zeit für sich selbst“, sagt der Bernburger Ruderer: „Das Meditieren dient dazu, runterzukommen. Es tut einfach gut.“

Auch kurz vor dem Endlauf bei der Weltmeisterschaft am vergangenen Sonntag in Plov-div (Bulgarien) hat Maximilian Planer Stress abgebaut, bevor er erst richtig begann. „Ich war tierisch aufgeregt“, berichtete der 27-Jährige aus dem „Maschinenraum“ des Deutschland-Achters, der zum zweiten Mal in Folge den Titel holte. Mit einer wahnsinnigen Dominanz. Schon zur Hälfe der Strecke führte das Paradeschiff des Deutschen Ruderverbandes (DRV) mit mehr als einer Länge vor der Konkurrenz. „Der erste Titel war für mich auch etwas Besonderes“, sagt Planer über den Sieg im vergangenen Jahr in Sa rasota (USA): „Aber wenn du dann mit der gleichen Mannschaft den Titel verteidigst, dann fühlt sich ganz anders, emotionaler an.“

Diese Mannschaft ist seit zwei Jahren ungeschlagen, seit den Sommerspielen in Rio. Diese Mannschaft schickt sich an, eine Serie zu wiederholen, wie sie der Olympiasieger 2012 erlebt hatte, damals hatte die deutsche Crew in den vier Jahren zuvor keine Niederlage mehr kassiert. Planer kennt diese Serie natürlich. Und er blickt voraus: „Wer immer aus der siegreichen Position kommt, hat auch mehr Selbstvertrauen als andere. Und das hilft dir auch auf dem Weg nach Tokio.“ Bei den Spielen in zwei Jahren in Japan will Planer ebenfalls im Deutschland-Achter sitzen.

Kein Blick zur Seite

Und wenn er da sitzt, dann „konzentriere ich mich ganz auf meine Aufgabe“, sagt Planer. Es ist eine Extremsituation, in der es um Rhythmus, aber auch Reaktion geht. „Wenn man vorausfährt, sieht man die Konkurrenz aus dem Augenwinkel. Aber ich schaue nicht zur Seite“, erklärt er zum persönlichen Rennverlauf.

Zudem gibt Martin Sauer, der Steuermann, permanent die Ansagen, wo die Crew liegt und wie die Zwischenspurts gewirkt haben. Die Athleten sind also immer informiert. Und dann geht es wie im WM-Finale nur noch darum, „dem Rennen seinen eigenen Stempel aufzudrücken und die Konkurrenz zur Reaktion zu zwingen“. Nur konnte die Konkurrenz auch in dieser Saison selten mit Gefahr reagieren.

Planer wird sich nach dem letzten Wettkampf am Wochenende in Schleswig-Holstein zunächst eine dreiwöchige Auszeit gönnen. Eine Woche verbringt er im spanischen Malaga, eine Woche in Budapest (Ungarn), eine Woche in Italien am Gardasee. Dann startet er wieder durch, dann muss er sich wieder aufs Neue beweisen für den Deutschland-Achter – am Ergometer, bei den deutschen Kleinboot-Meisterschaften. Denn auch zwei WM-Titel geben keine Platzgarantie im Paradeboot.

Und er will außerdem die Meditationsfähigkeiten ausbauen. „Mein Ziel ist es, diese bis Tokio zu intensivieren, um das Adrenalin besser zu kanalysieren“, erklärt Planer. Denn bei Sommerspielen ist man besonders aufgeregt.