Linz/Magdeburg l Maximilian Planer ist in die Zeitmaschine gestiegen, hat Taste Nummer 2008 gedrückt und ist zurückgereist zu jener Weltmeisterschaft, bei der er seine erste Goldmedaille gewann. Damals im Achter. Damals als Junior. Damals in Linz-Ottensheim in Österreich.

Elf Jahre später kehrt er zurück an jenen Ort. Einen Ort, den Planer als „unspektakulär“ bezeichnet. „Von der Regattastrecke aus sieht man nicht viel vom Umland“, erklärt Planer. Was ja auch einen Vorteil hat: Jeder konzentriert sich auf seine Leistung und die Leistung des Vierers ohne Steuermanns, in dem Planer mit Felix Brummel, Felix Wimberger und Nico Merget startet.

Immerhin: Es geht nicht nur um Edelmetall, es geht auch um einen Quotenplatz für die Olympischen Spiele 2020, wofür das Boot des Deutschen Ruderverbandes (DRV) mindestens Platz acht belegen muss.

Saison mit Höhen und Tiefen

Als Planer das letzte Mal im Vierer bei einem großen Event gestartet ist, schaute Christo Redentor auf ihn hinab, die 30  Meter große Christusstatue auf dem Berg Corcovado in Rio de Janeiro. Drei Jahre ist es her, als der Bernburger seine ersten Sommerspiele mit Platz zwölf und enttäuscht beendete. Es folgten wiederum zwei überaus erfolgreiche Jahre im Deutschland-Achter mit zwei WM-Titeln. Doch zur neuen Saison musste er wie Wimberger den Platz für jüngere Athleten räumen. Das Magengrummeln bei Planer ging alsbald vorüber, weil er sich schnell mit der neuen Herausforderung beschäftigt hatte.

Und die startet nun endgültig mit dem Vorlauf am Sonntag bei der WM. Nach einer bisherigen Saison mit Höhen und Tiefen. Ins letzte Tief ruderte der Vierer beim Weltcup in Poznan (Polen) im Juni, als er lediglich das B-Finale erreichte. Die Gründe waren schnell analysiert: „Das Kernproblem war eigentlich, dass die Saison für uns zu diesem Zeitpunkt schon recht lang war mit der Selektion. Nach dem Frühtest im April mussten wir den Spannungsbogen aufrecht erhalten, weil die Besetzung des Vierers erst ausgefahren werden musste. Und nach der Europameisterschaft sind wir dann in ein kleines Loch gefallen.“ Nach dem Bronzegewinn in Luzern (Schweiz).

In Poznan fehlte die Dynamik, fehlte der Fokus auf das Wesentliche, Kopf und Körper legten eine Pause ein, wenngleich „wir von Rennen zu Rennen stärker wurden“. Am stärksten fuhren sie aber beim Weltcup-Finale in Rotterdam (Niederlande). Platz drei. „Das hat gezeigt, dass Poznan ein Ausreißer war. Damit haben wir Selbstvertrauen getankt.“

Aber nicht nur dort, auch beim dreiwöchigen „Kilometerschrubben“ in Völkermarkt (Österreich), wo die Berge niemanden einsperren. „Ich hatte mir zuvor ein neues Rennrad gekauft. In Völkermarkt kann man sich aussuchen, ob man Berge hochfahren und auf gerader Strecke fahren will“, berichtet der 28-Jährige.

Ziel ist das Finale

Beim Relationsrennen zuletzt in München mussten sie zwar allein über die 2000 Meter lange Distanz rudern, weil die Startkommandos für die folgenden Doppelvierer und Achter zu spät gekommen waren. „Aber wir waren derart im Tunnel, dass wir das nicht gemerkt haben. Und wir sind eine richtig gute Zeit gefahren“, sagt Planer. Trotz Ersatzmanns, weil sich Merget am Rücken verletzt hatte. „Aber bei der WM ist er wieder dabei.“

Und dort „wollen wir vom Vorlauf an Vollgas geben“, sagt Planer auch mit Blick auf eine „definitiv stärker gewordene Konkurrenz“ im Vergleich zu 2016. Sein Ziel ist das Finale. Aber vielleicht wird es auch Edelmetall. Dann hätte Planer eine Taste mehr in seiner Zeitmaschine: Nummer 2019.