Luzern/Magdeburg l Vielleicht sollte Max Appel als zweites Standbein den Beruf des Hellsehers wählen – oder er hat die Konkurrenz einfach nur zu gut studiert. Die Prognose des Ruderers vom SC Magdeburg für den Doppelvierer-Endlauf am gestrigen Sonntag bei der Europameisterschaft Luzern (Schweiz) lautete jedenfalls: „Das wird kein einfaches Rennen. Zwei, drei Boote werden sich sicher gleich zu Beginn absetzen.“ Und es setzten sich ab: Niederlande, Italien und Großbritannien.

Sie setzten sich aber nicht nur ab auf dem Rotsee. Sie erreichten auch in dieser Reihenfolge das Ziel. Das deutsche Quartett mit Schlagmann Lars Hartig, Appel, Timo Piontek und Karl Schulze wurde Vierter nach 2000 Metern in 5:43,110 Minuten – mit nur 1,22 Sekunden hinter den Briten, immerhin mit 7,36 Sekunden hinter den siegreichen Niederländern. „Sie sitzen schon seit drei Monaten in einem Boot, haben gemeinsame Trainingslager bestritten“, verwies Appel einmal mehr auf den Vorteil der Konkurrenz. Für Appel reichte es damit bei seiner dritten EM erneut nur zu Blech. „Das ist schon schade“, sagte er. „Aber nach zwei gemeinsamen Trainingswochen war es erst einmal eine solide Leistung.“

Noch eine Umbesetzung?

Der Weg zur Weltmeisterschaft nach Linz-Ottensheim (Österreich/26. August bis 1. September) sollte für ihn trotzdem frei sein. Wenngleich: Nach dem enttäuschenden siebten Rang von Stephan Krüger/Tim Ole Naske im Doppelzweier dürfte Bundestrainer Marcus Schwarzrock womöglich seine bisherigen WM-Vorstellungen noch einmal neu sortieren.

Das gilt ganz sicher nicht für Oliver Zeidler. Der bärenstarke 22-Jährige siegte im Einer und ließ dabei solche Größen wie Damir Martin (Kroatien) oder Ondrej Synek (Tschechien) weit hinter sich. Ebenfalls zum Sieg fuhr Julia Lier aus Halle, die im Doppelvierer EM-Gold holte.

Planer holt Bronze

Zu Gold reichte es für Maximilian Planer nicht. Der 28-Jährige erreichte im Vierer ohne Steuermann mit Schlagmann Nico Merget, Felix Wimberger und Felix Brummel den dritten Platz in 5:56,08 Minuten und mit 5,07 Sekunden Rückstand auf Sieger Großbritannien sowie 2,18 Sekunden auf die Polen. „Wir sind zufrieden mit dem Ergebnis“, erklärte der Bernburger Planer, der mit seiner Crew bis zur 500-Meter-Marke in Führung und zur Hälfte des Rennens noch auf Silberkurs lag. „Wir wissen, dass auf der zweiten Streckenhälfte noch etwas geht, wenn wir an der Konkurrenz dranbleiben.“ Sein Fazit also: „Freude und Motivation für die nächsten Wochen.“

Der Deutschland-Achter, in dem Planer und Wimberger in den vergangenen zwei Jahren Weltmeister wurden, hat sich ebenfalls Selbstvertrauen geholt: „Das ist schon Wahnsinn. Mit zwei neuen Athleten an Bord muss man auch erst einmal eine neue Handschrift finden. Das Ende der Fahnenstange ist auf jeden Fall noch nicht erreicht“, sagte Johannes Weißenfeld. In 5:25,68 Minuten und mit 0,87 Sekunden Vorsprung auf die Briten setzte sich die Mannschaft von Trainer Uwe Bender durch.