Magdeburg l Konstantin Grigorishin hat sich in der Liste der reichsten Menschen der Welt noch nicht allzu weit in die Spitze vorgearbeitet. Vor vier Jahren zumindest setzte das „Forbes Magazine“ aus den USA den 53-jährigen Ukrainer auf Rang 1693 unter allen Milliardären in dieser Welt. Geld ist allerdings nur ein Grund für seine Gründung der International Swimming League (ISL), bei der im kommenden Herbst auch Franziska Hentke vom SC Magdeburg starten wird. In seinem Profil hat „Forbes“ nämlich vermerkt: Er ist Kunstsammler und er schwimmt gerne. Nun also übt sich der dreifache Familienvater darin, Schwimmen werbe- und einnahmeträchtig zu vermarkten.

Widerstände der Fina

Die ISL ist eine private Profiliga, die durchaus mit den Widerständen der etablierten Verbände zu kämpfen hat, in diesem Fall mit den Widerständen des Weltverbandes Fina. Noch im Endspurt des Jahres 2018 ging es dabei um eine Veranstaltungsgebühr von 50  Millionen Dollar, die die Fina verlangt haben soll. Und gegen die unter anderen die dreimalige Olympiasiegerin Katinka Hosszu (Ungarn) per Athleten-Sammelklage protestiert hat. Es ging zudem um eine angebliche Olympia-Sperre für alle Teilnehmer an der ISL.

All das scheint nun vom Tisch zu sein. Zumindest laut einer Pressemitteilung der Fina vom 27. Dezember. „Die Behauptung, dass die Fina eine Gebühr in Höhe von 50 Millionen Dollar von der ISL verlangt hätte, ist unrichtig“, heißt es darin. Und weiter: „Dies war der ursprüngliche Vorschlag der ISL selbst.“ Und zur angeblichen Olympia-Sperre erklärt der Weltverband: „Die Fina hat lediglich erklärt, dass die Ergebnisse von Wettkämpfen, für die keine ordnungsgemäße Genehmigung angefragt und erteilt wurde, nicht anerkannt werden.“ Was heißt: Bei Rennen, die nicht unter dem Fina-Dach stattfinden, können zum Beispiel keine offiziell anerkannten Weltjahresbestleistungen oder Weltrekorde geschwommen werden.

Grigorishin hat sich derweil sein eigenes Bild zum Weltverband gemalt und seine ISL zugleich verteidigt: „Die Fina sollte für die gesamte Schwimmwelt verantwortlich sein. Die Liga ist nur für die Eliteschwimmer“, sagt er bei „sportspromedia.com“. Und: „Jemand muss die Regeln im Schwimmen regulieren und festlegen. Möchte die Fina diese Aufsichtsbehörde sein, kann sie nicht Organisator von Wettbewerben sein. Sie muss sich künftig also entscheiden.“

Der Weltverband hat trotzdem sehr schnell auf die ISL reagiert und selbst auschließlich der Elite den Eintritt in ihre neue „World Swim Series“ gewährt. Am Wochenende macht sie in Budapest (Ungarn) Station – unter anderen mit Hentke. Eingeladen wurden zu dieser Serie aktuelle Weltmeister oder Weltrekordler. Nur haben nicht alle, die diese Kriterien erfüllen, für einen Start gemeldet.

Die Magdeburgerin tritt am heutigen Sonnabend über die 200 Meter Schmetterling gegen Hosszu, Alys Thomas (Großbritannien) und Boglarka Kapas (Ungarn) an. Und nicht nur um den Sieg, sondern auch für eine Prämie: 10  000 für den ersten, 8000 für den zweiten, 6000 für den dritten und 5000 Dollar für den vierten Platz. Insgesamt schüttet die Fina 3,9 Millionen Dollar über drei Veranstaltungen aus.

Anders läuft die ISL, die über einen TV-Vertrag zusätzliche Einnahmen akquiriert. Dort starten jeweils zwölf Frauen und zwölf Männer in einem der je vier Profiteams aus den USA und aus Europa. Der Frankfurter Marco Koch wird für das amerikanische Team „New York Breakers“ an den Start gehen, der Potsdamer Christian Diener hat sich dem britischen Team „London Roars“ von Olympiasieger Adam Peaty angeschlossen.

Hentke und Sarah Köhler aus der SCM-Trainingsgruppe sowie Philip Heintz (Heidelberg) gehören zum Team „Aqua Centurion“ um die Italienerin Frederica Pellegrini, das von Christian Hirschmann aus Neckarsulm, zugleich der Teammanager des Deutschen Schwimmverbandes, geführt wird. Den Startern ist eine Antrittsprämie von 10 000 Dollar garantiert. Zudem werden weitere fünf Millionen Dollar von der ISL an Teams und Athleten ausgeschüttet. Und kein Teilnehmer muss sich um etwas kümmern. Weder um den Flug, noch um das Hotel.

In drei Wettbewerben (zwei in Europa, einer in USA) ab dem 4./5. Oktober schwimmen Amerikaner und Europäer über Strecken von 50 bis 400 Metern ihre beiden finalen Profimannschaften aus, die am 20./21. Dezember im Mandalay Bay Events Center in Las Vegas (USA) wiederum den Sieger ermitteln. Die anderen Orte stehen allerdings noch nicht fest.

„Es ist eine gute Sache, wenn es mehr Wettkämpfe gibt, bei denen Schwimmer Geld verdienen können“, hat der 29-jährige Koch der „Frankfurter Rundschau“ dazu erklärt. Hentke meint: „Ich freue mich, dass der Schwimmsport damit einen Schritt nach vorne macht, weil er dadurch interessanter und lukrativer wird.“

Olympiasieger inklusive

Neben dem finanziellen Anreiz gibt es den sportlichen: „Es werden alles Rennen auf einem Top-Niveau. Das bringt mich auch nach vorne“, ist sich die 29-Jährige sicher. Auch Köhler (24) freut sich auf die Serie: „Ich verspreche mir mehr Rennhärte, weil ich mich öfter mit der internationalen Konkurrenz messen kann.“ Denn immerhin verspricht der Veranstalter: Fast 75 Prozent der Teilnehmer sind Olympiasieger.

Grigorishin stellt offenbar auch ein eigenes Team. Zumindest trägt eines den Titel seines Energie-Unternehmens: „Energy Standard“. Sollte sich nun die erste Auflage als finanzieller Erfolg erweisen – denn arm will der Milliardär damit nicht werden –, wird die Serie 2020 noch größer und länger dauern. Und damit noch mehr Prämien garantieren.