Magdeburg l Vor knapp zwei Jahren hatte sie schon einmal an dieser Stelle in der Duna-Arena zu Budapest (Ungarn) gestanden. 10 000 Menschen jubelten damals frenetisch auf den Sitzschalen der Tribüne ihrem Wettkampf entgegen. Franziska Hentke richtete ihre Schwimmbrille, stellte den rechten Fuß auf den Startblock, atmete durch, sprang ins Becken. 200 Meter später schlug die Schmetterling-Spezialistin vom SCM zu ihrer ersten Medaille bei einer Weltmeisterschaft an. Damals, am 27. Juli 2017. In 2:05,39 Minuten.

Erinnerungen, die sie ein Leben lang begleiten werden. Immer verbunden mit der Vorfreude auf eine Rückkehr. Am vergangenen Sonntag stand sie wieder auf jenem Startblock, wieder sprang sie zu einem Rennen über ihre Paradedistanz ins Becken. Diesmal war es keine WM, diesmal war es bei der Champions Swim Serie des Weltverbandes Fina. Diesmal schlug sie in 2:07,31 Minuten an, wie vor zwei Jahren wurde sie Zweite. Und als Prämie gab es noch 8000 Dollar obendrauf. „Es hat einfach wieder mega Laune gemacht, in dieser Halle auf der Startbrücke zu stehen“, berichtet die 29-Jährige: „Und das Rennen war spannend.“ Ebenfalls wieder.

Zweite in Budapest

Hatte bei der WM noch die Spanierin Mireia Belmonte gewonnen (2:05,26), musste Hentke diesmal der damaligen Dritten und Lokalmatadorin Katinka Hosszu (2:06,62) den Vortritt lassen. Derweil ließ die Magdeburgerin die Europameisterin Boglarka Kapas (Ungarn/2:07,67) und die Britin Alys Thomas (2:08,52) hinter sich. Hentke schwamm keine Saisonbestzeit und auch keine Zeit, die zur erneuten Medaille bei der WM in Gwangju (Südkorea/12. bis 28. Juli) reichen wird. Trotzdem: „Ich bin sehr zufrieden“, sagt sie. „Wir haben den Wettkampf aus dem vollen Training heraus bestritten, haben lediglich einen Kraftteil zuvor rausgenommen. Und nach solch einer Trainingswoche diese Zeit dann zu schwimmen, das ist schon sehr gut.“

In der nächsten Woche geht es für den SCM-Tross um Bernd Berkhahn zur WM-Vorbereitung in die 2300 Meter hohen Berge der Sierra Nevada (Spanien), Hentkes zweites Wohnzimmer. „Dort werden wir weiter an den Grundlagen arbeiten“, berichtet sie. Womöglich auch immer wieder an der Technik. Die war in Budapest „sicher noch nicht perfekt, aber ich war eben auch nicht ausgeruht“.

Dafür hat sie etwas anderes wiedergewonnen, was ihr zwischenzeitlich abhanden gekommen war. „Ich fühle mich in den letzten drei Wochen sehr gut im Wasser“, erklärt sie und ergänzt: „Es läuft.“

Es läuft alles auf eine gute WM hinaus. Die deutschen Beckenschwimmer treten die Reise nach Gwangju am 10. Juli an. Im Nambu University Municipal Aquatics Center werden dann die Helden gesucht, in einem überdimensional großen Hangar, der jeden Flugzeugtyp mehrfach verschlucken kann. Bis zu 11 000 Fans können dort Hentke zum Finale empfangen. Am 25. Juli 2019, 20 Uhr Ortszeit. Noch 71 Tage bis zum Start.