Magdeburg l Allein der kulinarische Genuss hat den Aufenthalt im italienischen Südtirol bekömmlich gemacht. Franziska Hentke ist ein bekennender Fan von Pasta-Gerichten. „Am liebsten mit Lachs“, sagt sie lächelnd. Es darf auch mal mit Rucola und Tomaten sein. Nur frisch muss es schmecken. Und frisch hat es geschmeckt in jenem Hotel im Schnalstal, in dem sich die Schwimmer des SCM auf die Saison vorbereitet haben im September.

Dieses Trainingslager in den Alpen ist in keiner Weise vergleichbar mit der Sierra Nevada, wo die Magdeburger Athleten von Trainer Bernd Berkhahn üblicherweise die Grundlagen sammeln in 2300 Metern Höhe. Aber Corona hat selbst Traditionen verschoben. Was also dem Gaumen zugute kam. Was Hentke allerdings nicht überrascht hat, denn sie war vor ihrem Wechsel vor zwölf Jahren zum SCM bereits achtmal mit dem SV Halle in Südtirol.

307 Kilometer in dreieinhalb Wochen

Und genauso wenig wie die Qualität des Essens haben sie deshalb die vorhandenen Bedingungen überrascht. „Die waren natürlich nicht mit jenen in der Sierra vergleichbar, aber wir haben das Beste draus gemacht. Außerdem mag ich dort die Landschaft. Und das Hotel hat sich viel Mühe gegeben, uns alles zu ermöglichen“, erklärt Franziska Hentke. Und zwar dreieinhalb Wochen lang.

In einem 25-Meter-Pool ist sie in jenen Tagen den deutschen Meisterschaften entgegengeschwommen. Die sollten Ende Oktober in Berlin stattfinden, sind aber – natürlich – der Corona-Krise zum Opfer gefallen. „Das war sehr schade, weil ich mich im Höhentrainingslager sehr gut gefühlt hatte“, betont die 31-Jährige. Fraglich ist ja, ob sie in diesem Jahr überhaupt noch ein Rennen bestreiten wird. Auch das Internationale Pokalschwimmen Mitte Dezember in der heimischen Elbehalle steht auf der Kippe. „Vielleicht findet der Wettkampf in einem ganz kleinen Rahmen statt“, meint Berk-hahn. Derzeit tragen quasi alle Planungen für die Zukunft das Prädikat: vielleicht.

Nächster Start ungewiss

Vielleicht also werden auch die Olympischen Spiele stattfinden. Jene in Tokio im nächsten Sommer, für die Franziska Hentke extra ihr Karriereende um ein Jahr verschoben hat. Sie hat ihren Start in Japan längst nicht abgeschrieben: „So lange der Termin steht, bleibe ich in dem Glauben, dass die Spiele stattfinden. Ich war ja noch nie ein Mensch, der aufgibt, also auch in dieser Hinsicht nicht.“

So wird sie vorrangig weiter trainieren und im Training wiederum den Ernstfall simulieren müssen, bis der nächste Wettkampf gestartet werden kann. Als Olympiakader des Deutschen Schwimmverbandes (DSV), als eine von vier Beckenathleten aus der Magdeburger Trainingsgruppe neben Isabel Gose, Sarah Köhler und Florian Wellbrock, kann sie ganz normal ihren Alltag als Leistungssportlerin bestreiten. „Nur mit viel mehr Vorsicht“, berichtet sie.

Vorsicht war indes in den Einheiten weniger geboten. „Ein Punkt ist, dass wir noch einmal verstärkt an der Ausdauer arbeiten“, erklärt die Schmetterling-Spezialistin. Das hat sie in den dreieinhalb Wochen ebenso intensiv getan. „Ich habe mehr als 307 Kilometer gemacht“, sagt sie lächelnd. Danach hat die Pasta ganz besonders gut geschmeckt.