Magdeburg l Wer sich mit Rob Muffels verabredet, zum Beispiel zu einem Kinobesuch, der sollte sich auf Folgendes einstellen: Rob Muffels erscheint zum Film, wenn die Werbung zu Ende, das Eis in der Cola geschmolzen, die Tüte Popcorn halbleer bis leer, der Kartenabreißer eingeschlafen und der Gärtner als mutmaßlicher Mörder auf der Leinwand längst gefasst ist. Okay, das war jetzt die größtmögliche Übertreibung, für die der private Rob Muffels allerdings selbst die Begründung geliefert hat. „Mir wurde von anderen zu Recht angekreidet, dass ich unpünktlich bin“, teilte er nämlich mit.

Der Freiwasser-Schwimmer Rob Muffels vom SC Magdeburg will indes nicht mehr unpünktlich sein. Das war sein Vorsatz – sein einziger – für die Olympiasaison, als er erstmals im vergangenen September und nach dem Urlaub wieder ins Wasser sprang, um die ersten der unendlich vielen Trainingskilometer bis zu den Sommerspielen in Tokio (24. Juli bis 9. August) zu absolvieren. „Da habe ich mich schon sehr verbessert“, sagte der 25-Jährige zu seiner „verbesserten Pünktlichkeit“. Das erzählte er übrigens am Freitagvormittag vergangener Woche, einer Woche, die den Vorsatz etwas gesprengt hatte. „Ich bin zweimal zu spät gekommen, das hat mich richtig geärgert“, meinte Muffels brummig.

Antworten in Doha

Man könnte ihm nun tröstend die Hand auf seine Schulter legen und ihm genüsslich und seufzend erklären: „Ach wissen Sie, Herr Muffels, was machen schon ein paar Minuten Verspätung? Sie sind WM-Dritter über zehn Kilometer, Sie haben Gold mit der Staffel gewonnen, Sie haben das Ticket für Tokio gelöst.“ Alles im vergangenen Sommer bei der Weltmeisterschaft im südkoreanischen Gwangju. Aber nein, man muss ihm den neuen Anspruch unbedingt lassen, denn zur Erfüllung seines Traumes von einer olympischen Edelplakette wird um pünktliches Erscheinen gebeten. Zum Start. Im Ziel. Zum Jubel.

Zurück also ins Jahr 2020, ins Olympiajahr, ins Trainingsjahr, das Muffels vornehmlich bestreitet. „Wir haben bis Tokio wenige Rennen, deshalb ist es umso wichtiger, diese in großer Qualität zu schwimmen“, sagte er. Und gleich im ersten Rennen, am 15. Februar beim Weltcup in Doha (Katar), will Muffels Antworten auf viele Fragen finden: „Was kann die internationale Konkurrenz besser als ich, wo liegen also noch meine Defizite? Wie baue ich meine Vorbereitung auf den Start auf? Welche Nahrung nehme ich zu mir?“ Und: Hat sich die Verlagerung seines Trainingsschwerpunktes auf die Armkaft ausgezahlt?

Schnell im Dezember

Das Grundlegende bei Muffels ist in all den Jahren, die er mit Bernd Berkhahn zusammenarbeitet, geblieben. Aber im Detail setzte sein Trainer von Saison zu Saison immer wieder neue Akzente. Im Olympiajahr ist es also die Kraft in den Armen, die Muffels verstärkt aufbaut. Im Sinne einer höheren Grundgeschwindigkeit. „Mittlerweile kann ich die Kraft gut im Wasser übertragen“, berichtete Muffels.

Gezeigt hat sich dies nicht zuletzt beim Internationalen Pokalschwimmen im Dezember in der heimischen Elbehalle, als er über 1500 Meter Freistil nach 15:32,14 Minuten angeschlagen hatte. „Das ist die schnellste Zeit, die ich jemals im Dezember geschwommen bin“, freute sich Muffels. Was ihn natürlich zusätzlich entspannt, bevor der Ernst der Saison beginnt.

Aber man trifft den Psychologiestudenten überhaupt selten unentspannt. Man trifft ihn zumeist immer lächelnd. Vielleicht wirkt er derzeit auch deshalb entspannter und lächelt noch mehr, weil er seine Aktivitäten im Social-Media-Bereich reduziert hat, weil er sich einen Taschenkalender besorgt hat, in dem er seine Termine sortiert. Eingetragen ist dort sicherlich auch ein Termin am 6. August, dann bestreiten die Männer ihr olympischen Rennen im Odaiba Marine Park von Tokio. Um 6 oder 8 Uhr morgens, so genau steht das noch nicht fest. Fest steht aber: Rob Muffels wird pünktlich sein.