Magdeburg l Es wäre wirklich nicht verwunderlich, wenn Florian Wellbrock eines Tages ein Kochbuch veröffentlichen würde. Titel: „Neues vom Fisch“. Er würde darin seine ganz eigenen Kreationen auftischen. Ein „Sushi à la Wellbrock“ zum Beispiel. Dafür erwirbt der 22-Jährige jetzt einen Angelschein. Und dafür verzichtet der Schwimmer vom SC Magdeburg sogar auf eine Reise in den sonnigen Süden, wohin auch immer eine Reise während der Corona-Pandemie möglich wäre. Nein, Florian Wellbrock fährt in seinem Urlaub im August lieber ins schöne Saarland. Und sichert sich dort die Lizenz zum Fischen.

Das Stichwort dieser Anekdote lautet also: „Sushi“. Die japanische Küche hat es ihm angetan, wie die japanische Mentalität im Allgemeinen, diese unglaubliche Gastfreundlichkeit. Er durfte sie nämlich schon live und in Farbe erleben, genauer: in Kumamoto. In jenem Trainingslager, in dem sich die Athleten des Deutschen Schwimmverbandes für die Sommerspiele den Feinschliff holen werden und welches Wellbrock bereits 2019 inspiziert hat. „Dort schmeckt Sushi noch viel besser“, erzählt er aus der kulinarischen Welt unterhalb des Fujiyama, wohin allerdings ursprünglich ab dem 24. Juli der Blick nicht aufs Essen, sondern auf sportliche Wettkämpfe gerichtet werden sollte. Denn an diesem Tag wären die Spiele in Tokio eröffnet worden. Doch ist die Zeremonie wegen Corona auf den 23. Juli 2021, in 364 Tagen, verlegt worden.

Alles normal, alles weit weg

Wellbrock ist in den vergangenen Tagen deshalb auch nicht schweißgebadet aufgewacht, weil er von seinem Start im Becken oder im Freiwasser geträumt hat, weil er plötzlich Angst hatte, etwas zu verpassen, wonach er sich seit jeher sehnt: nach einer olympischen Medaille, die idealerweise aus Gold ist. „Ich bin normal aufgestanden, bin ganz normal zum Training gefahren“, berichtet er stattdessen. Alles normal also, alles weit weg von Olympia. Er hat zuletzt keinen Gedanken an Tokio verschwendet.

Er wird auch am Wochenende keinen Gedanken an Tokio verschwenden, wenn der Bundesstützpunkt Magdeburg zum Wettkampf in die Elbehalle einlädt. Wenn Wellbrock „endlich wieder gegen Konkurrenz aus anderen Stützpunkten schwimmen kann“. Wenn es um die Ermittlung eines Leistungsstandes, aber längst nicht um Weltrekorde geht. Ein zeitliches Ziel hat er sich jedenfalls nicht gesetzt. In einem Jahr geht es auch nicht um die Zeit, es geht nur um Edelmetall, für das er einfach schneller sein muss als alle anderen. Am 27. Juli 2021 wird er seinen Vorlauf über 800 Meter Freistil bestreiten, am 30. Juli jenen über 1500 Meter und am 7. August das Freiwasser-Finale über zehn Kilometer.

Nigiri als Lieblingsspeise

Und Wellbrock ist sich sicher, dass die Spiele 2021 ausgetragen werden. Im kommenden April will das Internationale Olympische Komitee dazu die endgültige Entscheidung treffen. „Mein Bauchgefühl sagt mir, Olympia findet in Tokio statt“, betont er. Ein weiteres Bauchgefühl sagt ihm: „Leider ohne Zuschauer.“ Darüber wiederum entscheidet auch der Wettlauf um einen Impfstoff gegen Corona.

Auf seine nächste Reise nach Japan und den besonderen Geschmack von Sushi muss der Doppelweltmeister also noch warten. Nigiri isst er am liebsten, Lachs oder Garnelen auf Reisbällchen. Und in Kumamoto war dem Schützling von Bernd Berkhahn sogar bescheinigt worden, ein ganz patenter Stäbchenesser zu sein. „Ich kann das Gemüse aus der Suppe fischen“, sagt Florian Wellbrock lächelnd. Womit wir wieder beim Angeln wären. Ahoi!