Magdeburg l Man könnte meinen, ein Schwimmer mit geistiger Behinderung könnte gehemmt durchs Wasser pflügen, weil er den äußeren Einflüssen zuweilen mehr Beachtung schenkt als seinem Sport. Aber das war bei Pascal Rentsch am zweiten Dezember-Wochenende nun überhaupt nicht der Fall. Er sprang ins Becken der Elbehalle beim 15. Wettbewerb um die Pokale der Landeshauptstadt, er glitt mit seinen langen Armzügen und seiner rhythmischen Beinarbeit schnell durchs Wasser. Er schlug über 200 Meter Freistil nach 2:11,39 Minuten an. Das war eine neue Bestzeit für den 16-Jährigen vom Verein für Sporttherapie und Behindertensport Magdeburg (VSB). Natürlich. Das war aber kein deutscher Rekord. Ausnahmsweise.

Pascal Rentsch war trotzdem glücklich. Zum ersten Mal durfte er sich, ausgestattet mit dem Startrecht des SCM, bei dieser Veranstaltung beweisen. „Ich habe viel positives Feedback bekommen“, berichtet Trainer Florian Giese, der ja maßgeblich dafür verantwortlich ist, dass sein Schützling so schwimmt, wie er schwimmt. Und er schwimmt wirklich großartig. Deshalb hat Rentsch 2019 auch fünf deutsche Rekorde aufgestellt in seiner Startklasse 14. Nur nicht auf den Freistilstrecken, obwohl er dort tatsächlich am schönsten schwimmt. „Dort liegt die Messlatte aber ziemlich hoch“, sagt Giese.

Aber natürlich traut der 37-Jährige seinem Schützling auch in dieser Disziplin die nationalen Bestzeiten zu. Noch nicht gleich. Noch nicht beim ersten Langbahn-Wettkampf vom 23. Februar bis 2. März im italienischen Lignano. Wenn Rentsch anlässlich der World Series vom Weltverband zum zweiten Mal ob seiner geistigen Behinderung überprüft wird. „Aber ich denke, Ende 2020 kann er es schaffen“, ist sich Giese sicher. So viel fehlt ja nicht: Zum 200-Meter-Rekord sind es 3,97 Sekunden.

Lieber leise als laut

Und vielleicht kommt dem Jäger aller Bestmarken eine weniger gefüllte und leisere Halle eher entgegen als die laute Elbehalle an jenem zweiten Dezember-Wochenende, in der Rentsch in vielerlei Hinsicht Neuland betreten hatte. „Er war natürlich sehr geflasht“, erinnert sich Giese. „Dort hatte er eben nicht die Ruhe, dort konnte er sich nicht einfach zurückziehen. Aber zugleich war das eine gute Erfahrung für ihn, wenn er mal bei einer Meisterschaft unter ähnlichen Bedingungen starten wird.“

Rentsch bestritt zudem fünf Wettbewerbe, den letzten am Sonnabend um 21 Uhr. „So spät ist er noch kein Rennen geschwommen“, erklärt sein Trainer. Und Rentsch durfte sich erstmals über die 400 Meter Lagen probieren. „Da habe ich ihn ins kalte Wasser geworfen“, erklärt Giese lächelnd. Mit dem Ergebnis: Der junge Mann stellte in 5:25,19 einen neuen deutschen Rekord auf. Wie auch über 100 (1:09,00) und 200 Meter Rücken (2:29,68). So fokussiert und ungehemmt glitt er durch das Wasser.