Magdeburg l Das Leiden begann auf der dritten der vier Bahnen, zumindest für den Zuschauer. Als die Beinarbeit nachließ, als die Arme schwerer wurden, als Marius Zobel entschleunigte. Und das alles nach einem wilden Start, als er sein Heil in der Spitze suchte. So also gestaltete sich das Rennen des Schwimmers vom SC Magdeburg am vergangenen Donnerstagabend bei den 11. Györ Open in Ungarn. Er gewann zwar über 200 Meter Freistil in 1:51,38 Sekunden. Aber er blieb weit unter seinem Anspruch.

Das blieb der 19-jährige Zobel nicht nur in Györ, er blieb es auch in Halle, Magdeburg, Bergen (Norwegen) und Stockholm (Schweden). Einerseits. Andererseits: „Die Entwicklung über die gesamten Wettkämpfe hinweg war ja gut“, sagte er noch vor seinem jüngsten Start. „Man sieht also, dass es in die richtige Richtung geht.“ In Györ ging es in die falsche. Kein Wunder, wenn Zobel erklärt: „Mich nervt das einfach.“ Und seit Donnerstagabend sicher noch viel mehr.

Es war ja seine letzte Chance, sich für einen Staffeleinsatz bei der Weltmeisterschaft in Gwangju (Südkorea/12. bis 28. Juli) zu empfehlen – sein erklärtes Saisonziel. Am 30. April schließt sich das Nominierungsfenster des Deutschen Schwimmverbandes (DSV) für die Teamwettbewerbe. Zobel steht mit seiner Bestzeit in diesem Jahr (1:49,34) gemeinsam mit Max Nowosad auf Rang fünf im deutschen Ranking. Entweder wird er von DSV-Teamchef Bernd Berkhahn nun als WM-Ersatzmann nominiert, oder er schwimmt gleich zu den Irish Summer National Championchips nach Dublin (24. bis 28. Juli) – dem alternativen Wettkampf für die Enttäuschten.

Bleibt nur die Frage, was bei dem 2,05 Meter großen Zobel, dem deutschen Meister über seine Paradedistanz im vergangenen Jahr, der 1:47,92 Minuten in seinem persönlichen Rekordbuch zu stehen hat, schiefgelaufen ist in dieser Saison? Vor Györ sagte er noch selbstbewusst: „Für einen Staffelstart muss ich 1:48,6 Minuten schwimmen, das ist kein Hexenwerk.“ Aber irgendwie lief es für ihn ziemlich verhext.

Virus und Stress

Und dies schon im Höhentrainingslager in der Sierra Nevada (Spanien) im Februar und März, als Zobel von einem Virus heimgesucht wurde. Als er Einheiten abbrechen musste, weil der Kreislauf streikte. „Als ich nur langsam wieder ins Training gekommen bin“, erinnerte er sich. „Ich habe mich zwar nicht gefühlt, als hätte ich viel Kraft verloren, aber das kann trotzdem ein Faktor sein.“

Dann kamen die Abiturprüfungen, die vielleicht unbewusst eine größere Rolle spielten, als er meinte. Der Stressfaktor war jedenfalls vorhanden, als er zwischen den Starts in Bergen und Stockholm im April nach Magdeburg flog, um die Prüfungen in Sport und Englisch zu schreiben, obwohl das keine Fächer sind, die sein Intellekt fürchten musste.

Was aber Zobel gar nicht versteht: „Ich schwimme über 200 Meter Kraul 1:49 Minuten, erziele in Stockholm aber über 400 Meter Lagen mit 4:21,96 Minuten eine neue Bestzeit.“ Um mehr als sieben Sekunden hatte er die alte Marke gesteigert. „Das passt einfach nicht zusammen“, sinnierte Zobel. „Die Form muss also da sein, aber offenbar nicht abrufbar im entsprechenden Bereich.“ Im Zielbereich WM nämlich.

Wie wäre es nun mit einem Umdenken, mit einem künftigen Start über 400 Meter Lagen? Zobel lachte kurz auf: „Über Brust und Rücken haben sie mich in Stockholm doch ziemlich stehenlassen.“ Weshalb er den Fokus lieber weiter auf Freistil legt. Andererseits: „Mit 4:21 Minuten hat man natürlich auch eine Perspektive.“

Er kann ja mal drüber nachdenken. Obwohl er vielleicht schon zu viel nachdenkt. Dabei ist Marius Zobel ein starker Schwimmer. Manchmal reicht es ja, dies für sich zu begreifen.