Magdeburg l Florian Wellbrock kann nicht nur auf höchstem Niveau schwimmen, er kann auch auf höchstem Niveau „jammern“. Anders ist sein Resümee zu den Swim Open in Stockholm (Schweden) nicht zu deuten. Oder wie soll man die folgenden Worte erklären? „Man hat gesehen, dass im letzten Rennen ein bisschen die Power gefehlt hat. Die Wenden waren nicht mehr optimal. Und das Schwimmen hat auch nicht mehr funktioniert, wie es sein soll.“ Das nämlich sagt Wellbrock über seinen letzten Start am Montagabend über die 800 Meter Freistil – als er Zweiter wurde in 7:43,03 Minuten, als er seinen eigenen deutschen Rekord um 2,57 Sekunden verbesserte.

Nur hätte der 21-Jährige vom SC Magdeburg dieses Rennen eben auch gerne gewonnen. „Hinten raus hat es nicht ganz gereicht“, berichtet Wellbrock über den Abstand von läppischen 54 Hundertstelsekunden auf Sieger Michailo Romantschuk (Ukraine). „Aber gegen ihn über diese Distanz zu verlieren, ist auch keine Schande.“ Romantschuk ist immerhin der amtierende Europameister.

Mehr Grundlagen schaffen

Trotzdem kehrt Wellbrock natürlich nicht unglücklich aus Schweden zurück. Denn er hat dort nicht nur über 800 Meter geglänzt. Er hat über 1500 Meter eine Saisonbestzeit aufgestellt (14:42,91) und über 400 Meter einen persönlichen Rekord (3:45,59), weshalb „die Wettkampfserie für mich dort sehr zufriedenstellend war“.

Nun stellt sich nur die Frage, woran der 1,92-Meter-Mann bis zur Weltmeisterschaft in Gwangju (Südkorea/12. bis 28. Juli) eigentlich noch arbeiten will? „Ich denke, dass wir noch mehr Grundlagen schaffen müssen“, meint er. Kraft und Ausdauer, die er unter anderem im Höhentrainingslager ab dem 27. Mai in der Sierra Nevada (Spanien) tanken will. Und die er benötigt: Denn bei der WM wird Wellbrock im Becken über 800 und 1500 Meter sowie im Freiwasser über die olympischen zehn Kilometer an den Start gehen.

Für Köhler gibt es noch viel zu tun

Seine Lebensgefährtin wird in Gwangju auf zwei Strecken antreten: Sarah Köhler hat sich für 800 und 1500 Meter Freistil qualifiziert. „Das ist erst einmal die Hauptsache“, betont die 24-Jährige aus der SCM-Trainingsgruppe. In Stockholm, wo sie zum Abschluss über 800 Meter in 8:25,65 Minuten siegte und erneut unter der WM-Norm blieb, hat sie aber auch die Erkenntnis gewonnen: „Es gibt noch viel zu tun.“

Köhler werkelt weiter an der Umsetzung der Trainingsinhalte im Wettkampf, nachdem sie nach ihrer Ankunft in Magdeburg im letzten August „wirklich alles umgestellt“ hatte unter Trainer Bernd Berkhahn. „Früher bin ich immer mit gestrecktem Arm geschwommen, das versuchen wir abzustellen. Aber wenn die Rennen richtig hart werden, kehre ich dahin wieder zurück“, erklärt sie nur ein Beispiel. Sie muss also lockerer in der Arm- und Schultermuskulatur bleiben, will sie genügend Druck ins Wasser bekommen.

Hentke hatte es sich anders vorgestellt

Franziska Hentke fokussiert sich indes ganz auf die 200 Meter Schmetterling. Die 29-Jährige war nicht zufrieden mit ihren Leistungen in Stockholm. „Das hatte ich mir anders vorgestellt“, bestätigt Hentke und ergänzt: „Aber es ist jetzt, wie es ist.“

2:06 Minuten: Diese Zeit wollte sie in Schweden abliefern. 2:08,14 Minuten wurden es, beim letzten Rennen vor ihrer Wettkampfpause. Sie blieb damit zwar unter der WM-Norm. Mit dieser Zeit würde sie in Gwangju allerdings die angestrebte Medaille verfehlen. Deshalb gönnt sie sich auch keine Pause. So antwortet sie auf die Frage nach ihren Plänen am Oster-Wochenende mit einer Gegenfrage: „Trainieren?“

Hentke schwimmt in einem komplexen System, wenn sie in einem Element schwächelt, bricht alles andere zusammen. „Das ist alles ineinander übergreifend “, sagt sie. Was ist also zu tun? „Meine Reserven liegen nach wie vor in der Kraft, in der Technik und in der Geschwindigkeit.“ Gesehen in Stockholm: Dort ging sie die erste Bahn zu schnell an, „schmetterte“ 125 Meter lang mit Siegerin Katinka Hosszu (Ungarn/2:07,18) mit. Und verlor dann ihren Rhythmus.

Aber den will sie alsbald wiederfinden – wohl schon bei der Champions Serie des Weltverbandes Fina am zweiten Mai-Wochenende in Budapest (Ungarn). Es ist ihr letzter Härtetest vor der WM.