Magdeburg l Wassertemperatur bei 18 Grad Celsius: doof. Frische Böen und Wellen: doof. Der Wetterfrosch hat nicht gerade im schönsten „Quak“ einen Ausblick auf diesen Sonnabend in Doha (Katar) gegeben, wenn der erste Freiwasser-Weltcup 2020 über die zehn Kilometer gestartet wird. Und der Wetterfrosch hat selbst dem Weltmeister mit seiner Prognose ein leises Brummen abgerungen. „18 Grad Celsius würden bedeuten, dass wir im Neopren-Anzug schwimmen müssen“, erklärt Florian Wellbrock nämlich. „Und darin schwimme ich nicht so gerne.“

Es ist nun nicht zu vermuten, dass sich bis zu seinem Start an jenem Tag um 11 Uhr mitteleuropäischer Zeit etwas grundlegend ändert an den Temperaturen. Nicht in der Luft (21 Grad). Nicht im Persischen Golf. Hilft ja nichts. Wellbrock reist mit einer unheimlichen Serie nach Doha. Sieben Freiwasser-Rennen über die olympische Strecke in Serie hat der 22-Jährige gewonnen. „Ich habe etwas zu verteidigen“, sagt er also. „Deshalb will ich in Doha Gold gewinnen.“

Zwei Olympia-Tickets sicher

Gewonnen hat er auch am vergangenen Wochenende beim MWG-Swim-Cup in der heimischen Elbehalle. Über 1500 Meter Freistil in starken 14:46,61 Minuten. Über 800 Meter in starken 7:49,44 Minuten. Über 400 Meter in guten 3:48,97 Minuten. „Dass ich über die 1500 Meter so schnell sein würde, hat mich wirklich überrascht“, sagt Wellbrock, der wenig überraschend mit seiner Zeit direkt sein zweites Ticket für die Olympischen Spiele in Tokio (24. Juli bis 9. August) gelöst hat nach den zehn Kilometern. Mehr als 14 Sekunden blieb er dabei unter der schwächeren Norm des Weltverbandes Fina, die ihm als Weltmeister-Bonus vom Deutschen Schwimmverband (DSV) zugestanden wurde.

Die schwere DSV-Vorgabe (7:50,30) erfüllte er indes über die 800 Meter. Deshalb ist er aber noch nicht für Tokio qualifiziert über diese Distanz. „Es gibt einige in Deutschland, die diese Zeit schwimmen können“, betont Trainer Bernd Berkhahn. Wellbrock zählt dazu Sven Schwarz, Ruwen Straub und auch Lukas Märtens aus der eigenen Trainingsgruppe. „Wenn diese drei schneller sind, muss ich mich auch noch einmal steigern. Und das möglichst frühzeitig in der Saison“, erklärt Wellbrock. Idealerweise also beim Swim-Cup in Stockholm (Schweden) im April.

Höhere Frequenz

Das soll überhaupt in jeglicher Hinsicht ein erkenntnisreicher Wettkampf werden. Nicht nur, weil Wellbrock dort zumindest gegen den WM-Fünften Henrik Christiansen aus Norwegen antreten wird. Sondern auch, weil er seine Umstellung in der Technik in jenem „qualitativ hochwertigen Wettkampf“ einem Härtetest unterziehen wird. Wellbrock arbeitet nämlich nicht nur an einer besseren Wende, um seine deutschen Rekorde (7:43,03 und 14:36,15) zu verbessern und zugleich den Weltrekorden (7:32,12 und 14:31,02) näher zu kommen. Wellbrock arbeitet auch an einer höheren Grundgeschwindigkeit, er will noch schneller am Zug sein. „Er soll mit der gleichen Technik in einer höheren Frequenz schwimmen, deshalb haben wir auch den Anteil der Armarbeit erhöht“, erklärt Berkhahn und ergänzt: „Natürlich ist die Umstellung schwierig für ihn, denn dadurch ändert sich sein bisheriger Rhythmus enorm.“

Wie schwierig das ist, erklärt Florian Wellbrock: „Dazu gehört viel Routine und viel Training. Und es reichen auch keine vier Wochen im Höhentrainingslager, um den Ablauf zu automatisieren“, sagt er zugleich mit dem Blick auf den nächsten vierwöchigen Aufenthalt in der Sierra Nevada (Spanien) ab kommenden Montag. Dorthin will er mit seinem achten Sieg in Serie im Freiwasser reisen. Und wenn er wie Rob Muffels und Finnia Wunram (7 Uhr MEZ) am Sonnabend ins Wasser springt, ist ihm das Wetter samt Frosch reichlich egal.