Magdeburg l Zitternd saß sie am Ufer der Kasanka. Damals, am 1. August 2015. Eingemummelt in einer Decke. Die Lippen blau vor lauter Kälte. Die Augen umrandet von den Abdrücken der Schwimmbrille. Finnia Wunram hatte gerade Platz fünf belegt bei der Weltmeisterschaft in Kasan (Russland). Über 25 Kilometer. In 5:19:02,5 Stunden. Nicht ganz so lange fliegt man über 4640 Kilometer von Berlin-Tegel nach Dubai. Genauso lange fährt man mit dem Auto über 555 Kilometer von Magdeburg nach Karlsruhe. Das sind schon keine sonderlich schönen Vorstellungen. Aber mehr als fünf Stunden Kraulen im Wasser?

Wer Wunram erlebt, erlebt eine 1,64 Meter kleine und zierliche Frau, freundlich in der Ausstrahlung, aber zäh wie Krokodilsleder im Wettkampf. Vielleicht wird die Freiwasser-Athletin vom SC Magdeburg bei der kommenden WM im wunderschönen Yeosu Expo Ocean Park in Gwangju (Südkorea) wieder die 25 Kilometer schwimmen, vielleicht die Teamstaffel, vielleicht die fünf Kilometer, über die sie damals in Kasan Bronze gewann. Das alles steht noch nicht fest.

WM-Rennen am 14. und 17. Juli

Ganz sicher aber tritt sie über die olympischen zehn Kilometer an, über die sich Finnia Wunram zugleich mit einem Top-Ten-Platz das direkte Ticket für die Sommerspiele in Tokio 2020 sichern will.

Doch das allein reicht der 23-Jährigen nicht, weshalb sie an diesem Sonnabend bei den französischen Meisterschaften im Lac du Causse in Brive zusätzlich um den Start über die kürzeste WM-Distanz kämpft. „Bei den Frauen wird das Rennen über fünf nach dem über zehn Kilometer ausgetragen“, berichtet Wunram. Am 14. und 17. Juli nämlich. „Deshalb ist der Start für mich über beide Strecken kein Risiko für die Olympia-Qualifikation.“

Noch zwei Testrennen

Die Vorbereitung dafür lief bislang gut. „Ich hatte seit dem letzten Trainingslager im Februar und März keine Ausfälle und bin gesund geblieben“, sagt Wunram. Dass sie seit ihrem letzten Rennen in Doha (Katar) im Februar keinen Wettbewerb mehr bestritten hat, „sehe ich nicht als Nachteil, dafür hatte ich einen sehr guten Trainingsblock und konnte viel Umfang trainieren“, stellt sie klar.

Zwei Testrennen stehen zudem noch aus. Jenes in Brive, wohin sie aus ihrem derzeitigen Höhentrainingslager in der Sierra Nevada (Spanien) anreist. Und die spanischen Meisterschaften Mitte Juni in Banyoles, wo sie ihre Form über die zehn Kilometer überprüft.

Wettkampfgewicht: 53,5 Kilogramm

Überprüft wird auch immer wieder ihr Wettkampfgewicht. „Das liegt bei 53,5 Kilogramm“, sagt sie. Und es will gehalten werden. Doch, doch, Wunram sündigt auch mal. Mit einem Stück Kuchen oder anderen Süßigkeiten. Das aber ist die Ausnahme. Denn: „Ich ernähre mich ausgewogen und gesund.“

Was also findet man permanent auf ihrem Teller? „Gemüse und viel Obst als Zwischenmahlzeit“, berichtet Finnia Wunram. „Und Joghurt, Quark und Nüsse dürfen bei mir auch nicht fehlen.“ In den 2300 Meter hohen Bergen der Sierra Nevada „nehme ich vor allem viel Eiweiß zu mir, um den Muskelaufbau und die Regeneration zu fördern“. Eine schnelle Regeneration benötigt sie nämlich, weil sie dort tagtäglich weiterhin an ihrer Kraft, Ausdauer und letztlich auch an ihrem Tempo arbeitet.

Ein schöner Bonus

Ein hohes Tempo wird sie auch am Wochenende benötigen, will sie sich über die fünf Kilometer für die WM qualifizieren. Bei ihrem dritten WM-Platz vor vier Jahren ist sie die Strecke in 58:51,0 Minuten geschwommen. So lange dauert in etwa der Flug über 251 Kilometer von Berlin-Tegel nach Hamburg oder die Autofahrt über 84 Kilometer von Magdeburg nach Wernigerode. Eine Strecke also, die überschaubar und für Wunram lediglich ein schöner WM-Bonus ist.

Denn, so betont der Schützling von Trainer Bernd Berkhahn: „Der Fokus liegt definitiv auf der olympischen Distanz.“ Und hat Finnia Wunram das Tokio-Ticket erst mal gesichert, wäre wohl selbst das letzte WM-Rennen im Freiwasser am 19. Juli über 25 Kilometer tatsächlich ein Genuss. Ob mit oder ohne Zittern.