Magdeburg l Christopher Grotheer hat es noch nicht einmal in die alte Heimat Wernigerode geschafft, er ist auch nur einmal mit seiner Kawasaki Ninja gefahren, einem Sport-Motorrad der größten und mit 200 PS auch der stärksten Kategorie. Christopher Grotheer ist seit seinem Titelgewinn bei der Skeleton-Weltmeisterschaft in Altenberg am 28. Februar quasi nur auf Reisen. Erst war er auf Urlaubsreise nach Mexiko mit seiner Freundin Mary Ann, seit der Rückkehr ist er auf Reise durch das beschauliche Suhl – als Praktikant in seiner Ausbildung zum Polizeimeister.

Und in jener Zeit hat Grotheer seinen Trainer verloren. Oder vielmehr: Er hat ihn mit seinem Goldgewinn zum Bundestrainer gefahren.

Sechs Jahre gemeinsam erfolgreich

Grotheer möchte das gewiss so nicht stehen lassen. „Ganz so war es nicht“, sagt er lächelnd. Aber ganz anders irgendwie auch nicht. „Ich war schon das Aushängeschild seiner Arbeit in den vergangenen Jahren“, sagt der 27-Jährige über die Zusammenarbeit mit Baude, die nach den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi begonnen hatte. Und die mit dem WM-Titel in ihren Höhepunkt mündete. Und in eine Sensation. Vor Altenberg hatte Grotheer bekanntlich kein einziges Weltcup-Rennen in der Saison absolviert.

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So sieht auch Grotheer das Ende der gemeinsamen Ära zumindest am Bundesstützpunkt in Oberhof mit einem weinende und einem lachenden Auge: „Für ,Baudi‘ ist das eine riesige Chance.“ Die der 37-Jährige vom Bob- und Schlittenverband (BSD) bekommen hat, nachdem sich sein Vorgänger Dirk Matschenz und der BSD im „Einvernehmen“, wie es in einer Pressemitteilung heißt, nach der WM getrennt hatten.

Treppe hoch, Treppe runter

Von Baude führt der Weg für Grotheer indes zu Martin Putze, 35 Jahre, ebenfalls als Bundesstützpunkttrainer in Oberhof beschäftigt – allerdings vornehmlich verantwortlich für die Bobsportler.

„Das ist aber kein Problem, ich habe auch schon in der vergangenen Saison mit den Bobsportlern trainiert“, berichtet der Skeleton-Pilot, der bereits in die Vorbereitung auf den nächsten Winter eingestiegen ist. Und mit Bob-Olympiasiegerin Mariama Jamanka eine Kleingruppe bildet. Nach Putzes Plan laufen sie durch den Wald und eine Treppe hoch und runter. Und zwar die Treppe an der Oberhofer Schanzenanlage am Kanzlersgrund.

Als Polizist in Suhl unterwegs

Grotheer hat die Stufen nicht gezählt, aber er kann versichern: „Es sind sehr viele.“ Und es werden gefühlt immer mehr, wenn er nach seiner Tagschicht bei der Polizei zwischen 6 und 18 Uhr um Viertel vor sieben am Abend zur Einheit schreitet: „Das ist schon hart, wenn man vorher zwölf Stunden in den Beinen hat.“

Denn in den zwölf Stunden sitzt Grotheer ja nicht am Schreibtisch und schaut aus dem Fenster. Er muss die Einhaltung des Infektionsschutzgesetzes und andere aktuelle Vorgaben der Bundesregierung in Zeiten der Corona-Pandemie kontrollieren. „Anfangs gab es schon einige Verstöße“, berichtet Grotheer, „aber nur, weil es einige nicht besser wussten. Inzwischen halten sich alle in Suhl an die Regeln.“

Seine Ausbildung schließt Grotheer noch in diesem Jahr ab. Und wenn er die letzte Prüfung erst einmal absolviert hat, bleibt ihm auch wieder mehr Zeit, um die Kawasaki Ninja auszuführen. Und um sich zu regenerieren nach dem Training. „Ich bin positiver Dinge“, sagt Grotheer zur Zusammenarbeit mit Coach Putze, die im nächsten Winter erneut ein erfolgreiches Abschneiden bescheren soll: dann bei der Weltmeisterschaft in Lake Placid (USA).