Magdeburg l Die Altstadt gefällt Philipp Syring am besten – die Altstadt von Hamburg. Und die Leute dort, die so schön entspannt durch den Alltag gehen. Und der Bundesstützpunkt, in dem ein Teil des Kaders der Skull-Nationalmannschaft des Deutschen Ruderverbandes (DRV) seine Einheiten abhält. Nur die „Heimatliebe“, die wird immer bleiben. „Das ist für mich ein ganz wichtiger Punkt. Magdeburg hat mich groß gemacht. Deshalb werde ich auch immer für den SCM starten“, versichert Syring.

Seit Anfang des Jahres ist der 20-Jährige nun in der Hansestadt, er lebt dort am Olympiastützpunkt, hat dort sein Zimmer, teilt sich die Küche mit Steven Hacker aus Dresden. Im November kehrt Leben ins Haus ein, ab November trainiert dann der komplette Olympiakader am „Tor zur Welt“, wie Hamburg genannt wird. Gegen die Welt will sich Syring aber nicht erst bei den Sommerspielen in Tokio 2020 beweisen, sondern schon zuvor bei den Weltmeisterschaften. Im kommenden September werden die Titelkämpfe in Plov-div (Bulgarien) ausgetragen, im nächsten Jahr in Linz-Ottersheim (Österreich).

Syring hat seinen Wechsel nach Hamburg nicht bereut. Er hat dort gefunden, was er auch erwartet hatte: „Mir war es wichtig, meine Fähigkeiten im Großboot zu verbessern. Und in dem trainieren wir hier regelmäßig. Außerdem habe ich hier bessere Möglichkeiten, mich mit anderen zu vergleichen“, sagt Syring, der Bundespolizist in Ausbildung, der im Heimaturlaub weiterhin auch den Heimathafen aufsucht und in der Gruppe von SCM-Coach Roland Oesemann trainiert.

Kein Anspruch auf Einer

Syring stellt nicht mehr den Anspruch, den Einer oder Doppelzweier fahren zu wollen. „Das wäre auch falsch, sich dem Doppelvierer zu verwehren“, betont er. Ein Platz in einem Olympiaboot von Tokio – das ist das einzige, was zählt.

Und im Doppelvierer, betreut von Marcus Schwarzrock, dem Chef der DRV-Skuller, sitzt er in dieser Saison. Mit Platz sieben bei den deutschen Kleinboot-Meisterschaften im April hatte sich Syring dafür qualifiziert. Neben ihm sitzen Ruben Steinhardt (24/Hamburg), der Olympiasieger Hans Gruhne (29/Potsdam) und Stephan Krüger (29/Rostock), der mit dem Magdeburger Marcel Hacker in Rio 2016 Platz acht im Doppel-zweier belegt hatte. Das Team aus junger Dynamik und großer Erfahrung kann auf einen fast perfekten Saisoneinstieg zurückblicken. Beim ersten Weltcup in Belgrad (Serbien) belegte das neuformierte Boot Platz zwei mit 0,27 Sekunden Rückstand auf die Briten.

Es zeigte sich allerdings: „Wir müssen noch unsere Passfähigkeit verbessern“, berichtet Syring. Auf den letzten 100 Metern haben sie das Rennen verloren, weil die Vier bei erhöhter Frequenz im Schlusssprint nicht mehr als Mannschaft rudern. Syring weiß dennoch: „Wir sind eine sehr ausgewogene Truppe mit viel Potenzial auch für die Zukunft.“

Das wollen sie auch bei den Weltcups in Linz-Ottersheim (21. bis 24. Juni) und Luzern (Schweiz/19. bis 22. Juli) beweisen. Die Europameisterschaft Anfang August in Glasgow (Schottland) lassen die Skuller indes aus, stattdessen reisen sie ins Trainingslager nach Weißensee (Österreich) zur WM-Vorbereitung. „Die Weltmeisterschaft ist eben wichtiger“, sagt Syring. Und nach Platz acht im Doppelvierer im vergangenen Jahr in Sarasota (USA) setzt er sich für Plovdiv nun ein höheres Ziel: „Wir wollen ins A-Finale und dort um eine Medaille kämpfen.“