Magdeburg l Zwei Zimmer, Küche, Bad. Eine Wohnung mitten im Hamburger Stadtteil Barmbek, nur fünf Kilometer vom Zentrum entfernt. „Für Hamburger Verhältnisse ist es hier auch ein bisschen Grün“, berichtet Philipp Syring lächelnd über sein neues Umfeld.

Syring mit Leistung nicht zufrieden

Der 22-Jährige vom SC Magdeburg musste seinen Lebensmittelpunkt in die Hansestadt verlagern, weil es die Zentralisierung der Athleten des Deutschen Ruderverbandes (DRV) so verlangt. In Hamburg trainieren also alle Skuller unter DRV-Coach Marcus Schwarzrock. Wenn sie nicht – wie in dieser Woche – zum 14-tägigen Lehrgang nach Avis (Portugal) aufbrechen. Oder wenn sie nicht – wie am vergangenen Wochenende – bei der Langstrecke in Dortmund starten.

Dort wiederum hatte Syring auch einiges von sich verlangt. „Aber zufrieden sollte ich mit meinen Ergebnissen natürlich nicht sein. Die Schwächen wurden mir aufgezeigt. Es ist überall noch Luft nach oben“, resümierte Syring.

So sah es auch sein Heimtrainer. „Es gibt noch viel zu tun“, betonte Roland Oesemann nach den „mittelprächtigen Leistungen“ seines Schützlings, den er bereits seit dessen Wechsel zunächst an den Hamburger Olympiastützpunkt im vergangenen Januar vor allem aus der Ferne beobachtet.

Begründung für das Abschneiden

In Dortmund hat Oesemann gesehen, wie Syring auf dem Ergometer mit 5:51 Minuten über 2000 Meter um mehr als sechs Sekunden an seiner Bestzeit vorbeifuhr. Und wie es für ihn auf dem Wasser nur zu Rang 18 über 6000 Meter reichte. Mit 24:01 Minuten hatte er 54 Sekunden Rückstand auf Sieger Oliver Zeidler. Syrings Clubgefährte Max Appel war aufgrund seiner Grundausbildung bei der Bundeswehr nicht angetreten.

Syring hat allerdings auch eine Begründung für das Abschneiden. In den vergangenen Wochen ist er selten Boot gefahren wegen seines Ausbildungsblocks bei der Bundespolizei in Kienbaum. „Mir fehlen eben viele Trainingskilometer. Deshalb waren meine Leistungen im Rahmen des Möglichen. Damit kann ich leben“, erklärte er. Was ihm also noch fehlt, „ist die Ausdauer, und auch hinsichtlich meiner Kraftwerte kann ich mich verbessern.“

Julia Lier ist zurück

Wie Syring gehört auch Julia Lier zum 35-köpfigen Kader des Teams Sachsen-Anhalt für die Sommerspiele 2022 in Tokio. Und wie Syring hat Lier bei ihrem ersten Wettkampf nach langer Pause inklusive Ausbildung zur Physiotherapeutin gebissen und gekämpft. Die 27-Jährige aus Halle überzeugte in Dortmund erst auf dem Ergometer mit 6:49 Minuten, dann mit dem Sieg auf dem Wasser über 6000 Meter in 25:10 Minuten. „Mit meiner Zeit auf dem Ergo bin ich sehr zufrieden“, erklärte die Doppelvierer-Olympiasiegerin auf ihrer „Facebook“-Seite zum einen. Zum anderen resümierte Lier ihr Ergebnis auf der Langstrecke: „Ich bin happy und super motiviert für die anstehende Trainingslager-Saison.“

Man kann es auch einfach zusammenfassen: Julia Lier ist wieder zurück.

In ihrem Schlepptau feierte derweil eine Magdeburgerin ihre Elite-Premiere. Tabea Kuhnert vom SCM, 18 Jahre jung, wurde Zwölfte über 6000 Meter in 25:51 Minuten. „Damit habe ich mein Ziel, in die Top-15 zu kommen, erreicht. Für den momentanen Trainingsstand lief es gut“, meinte Kuhnert. So sah es auch Coach Oesemann. „Sie steht erst seit vier Wochen im Training. Auf dem Ergo (6:54/d.Red.) war sie vier Sekunden weg von ihrer Bestzeit. Für den Einstieg in die neue Saison war das aber völlig in Ordnung.“