Magdeburg l  Fünf Medaillen haben die Schwimmer des SC Magdeburg bei den Europameisterschaften in Glasgow geholt. Gold über 1500 und Bronze über 800 Meter Freistil sowie Silber in der Freiwasser-Staffel für Florian Wellbrock. Gold für Marius Zobel in der Mixed-Staffel über 4 x 200 Meter Freistil. Bronze über zehn Kilometer für Rob Muffels. Es gab aber auch enttäuschte Gesichter.

Franziska Hentke

Mit Platz vier über 200 Meter Schmetterling erfüllte sie weder die eigenen Erwartungen noch den Anspruch ihres Trainers. „Das war nicht das, was ich mir erhofft, aber nach der bisherigen Saison befürchtet hatte“, erklärte Bernd Berkhahn zu seinem 29-jährigen Schützling. Hentke konnte nie ihr Leistungspotenzial abrufen, auch wenn nach dem gewonnenen Halbfinale in Glasgow ein glanzvolles Ende zu vermuten war. „Dabei hatte sich ihre Form in der Vorbereitung auf die EM sehr gut entwickelt“, berichtete Berkhahn. Aber letztlich: „Es hat im Finale die Renneinteilung nicht gepasst. Mit ihrer Erfahrung hätte sie sich durchsetzen müssen. So war es verschenktes Gold.“

Aliena Schmidtke

Die 25-Jährige hatte seit der Weltmeisterschaft 2017 mit Rückenproblemen zu kämpfen. Folge: lange Trainingsausfälle. Erst in den letzten Monaten vor der EM konnte sie ihre Form aufbauen. Doch als die Forschungsassistentin aus Columbus (USA) direkt zur deutschen Meisterschaft in Berlin Mitte Juli anreiste, „war sie müde und kaputt“, erinnerte sich Berkhahn. Mit DSV-Coach Stefan Hansen hat er dann „versucht, sie auf die 50 Meter Schmetterling vorzubereiten, weil wir da ihre größten Medaillenchancen gesehen haben“. Nur drei Hundertstel fehlten Schmidtke letztlich zu Bronze, und dass sie mit 25,77 Sekunden noch unter der 26er Marke blieb, „war nicht zu erwarten“, resümierte der Trainer. Schmidtke wurde außerdem Achte über die doppelte Distanz und Siebte in der Lagenstaffel.

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Marius Zobel

Irgendwann hat er auf Nachrichten der Volksstimme nicht mehr reagiert, so enttäuscht war Marius Zobel, wie sein Trainer bestätigte. Der 18-Jährige wurde über 4 x 200 Meter Freistil mixed eingesetzt – und damit Europameister – als auch in der Staffel der Männer, konnte aber seine Leistungen von den nationalen Titelkämpfen zwei Wochen zuvor in Berlin in keiner Weise abrufen. „Schade“, sagte Berkhahn, „mit diesen Ergebnissen wäre er auch in den EM-Finals dabei gewesen.“ So musste der 2,05-Meter-Hüne im jeweiligen Endlauf seinen Platz räumen. „Technisch ist er sehr gut geschwommen“, urteilte Berkhahn zwar. Aber andere Details wie Wechselzeit oder Renneinteilung passten nicht. Es müssen also die Nerven gewesen sein, die Zobel einen Strich durch die EM-Premierenrechnung machten. Berkhahn: „Marius war überfordert.“

Florian Wellbrock

Galaktisch? Von einem anderen Stern? Solche Worte und Sprüche mag Bernd Berkhahn über seinen Schützling nicht äußern. Bevor alle den 20-Jährigen schon jetzt zum Medaillengaranten der Zukunft hochstilisieren, will der Coach lieber die Stärken und das Tempo Wellbrocks weiter forcieren. Denn: „Wir sind noch lange nicht am Ende.“

In Glasgow hat er „seine Aufgabe super erledigt“ – mit deutschem Rekord über die 1500 Meter in 14:36,15 Minuten und mit deutschem Rekord über die 800 Meter Freistil in 7:45,60 Minuten. Und er hat die Weltspitze, zu der er nun selbst gehört, erstaunt. Gregorio Paltrinieri (Italien), der Olympiasieger und Weltmeister und Dritte in Glasgow über die 1500 Meter, sagte: „Für mich ist es unfassbar, wie trotz einer Berufsausbildung solch eine Leistung möglich ist.“ Wellbrock lernt Immobilienkaufmann.

Und er beschloss die EM mit seinem Freiwasser-Einsatz in der 4 x 1,25-Kilometer-Staffel. Und jubelte ein drittes Mal: Mit seiner Freundin Sarah Köhler (SG Frankfurt) sowie Leonie Beck und Sören Meißner (beide Würzburg) schwamm er zu Silber in 52:35,6 Minuten. Es gewannen die Niederlande mit einer Armlänge und 0,6 Sekunden Vorsprung. Wellbrock resümierte über den Zweikampf der Schlussschwimmer mit Olympiasieger Weertman: „Er lag die ganze Zeit auf meiner Hüfte, und er ist 15, 20 Kilo schwerer als ich. Da bin ich nicht weggekommen.“ Trotzdem: „Mit dem Team und meiner Freundin auf dem Silberrang zu stehen, ist natürlich sehr schön.“

Finnia Wunram

Sie wollte eine Medaille, sie hat den fünften Platz über die zehn Kilometer bekommen. Für Bernd Berkhahn kein Grund zur Enttäuschung. „Ich hatte zwar auch auf Edelmetall gehofft, aber damit nicht gerechnet.“ Berkhahn erklärt das nicht mit der allgemeinen Leistungsfähigkeit der 22-Jährigen, sondern mit dem Neoprenanzug. „Sie hat nicht so viel Kraft wie die Konkurrenz, muss aber den gleichen schweren Anzug durchs Wasser tragen.“ Dies und ein etwas hektischer Beginn, keine Verpflegung auf den letzten fünf Kilometern und dann der zwischenzeitlich halbherzige Versuch, weiter nach vorn zu schwimmen, haben sie womöglich um ein besseres Ergebnis über die olympische Distanz gebracht. Über die 25 Kilometer am Sonntag musste Wunram vorzeitig aussteigen. Sie hatte zusehends Probleme, die Arme zu heben. Bis zur 15-Kilometer-Marke hatte sie das Feld sogar angeführt.

Jetzt gönnt sie sich zwei Wochen Urlaub, ehe es sofort weitergeht in der Vorbereitung auf das erste der drei Qualifikationsrennen für die Weltmeisterschaft 2019, das im November in Abu Dhabi (Emirate) ausgetragen wird.

Rob Muffels

Auch für ihn gibt es nun kaum eine Pause. Zwölf Wochen dauerte die Vorbereitung auf die erste WM-Qualifikation über zehn Kilometer, erklärte Berk-hahn, um fit in Abu Dhabi zu sein. „Eine sehr gute Form“ bescheinigte der Trainer seinem Schützling auch bei der EM. Muffels gewann Bronze.

„Er hatte schon bei den Weltcups diese Reife bewiesen“, erklärte Berkhahn zum taktisch klugen Rennen des 23-Jährigen im Loch Lomond, mit dem er nach einige Podiumsplätzen im Weltcup nun seine erste Medaille auf der olympischen Strecke und bei einem Großevent gewonnen hat. Aber: „Er wird sich geärgert haben, dass Ferry und Kristof weggeschwommen sind.“ Weertmann, der Sieger aus den Niederlanden, Rasovsky, der Zweite aus Ungarn. „Daran muss er noch arbeiten.“

Marcus Herwig

Trotz des 14. Platzes über die fünf Kilometer blickt Berkhahn nicht ohne Stolz auf die Entwicklung des 22-Jährigen in den vergangenen Jahren zurück. „Ab 2016 hat er sich in jedem Jahr für ein Großevent qualifiziert, das ist toll“, sagte der Trainer. Und es war in diesem Jahr schon deshalb überraschend, weil ihn Infekte im Verlauf der Saison aus dem Trainingsplan geworfen hatten. Trotzdem war Herwig von seinem Ergebnis enttäuscht. Aber Berkhahn erklärte: „Er war wohl der Einzige, bei dem der Neoprenanzug nicht richtig passte.“ Das erschwerte vieles.

Taktisch ist dagegen einiges noch nötig. „Er hat noch Probleme, sich im großen Pulk zurechtzufinden. Ihm fehlt noch die Cleverness, die Rob und Florian bereits haben. Aber das ist auch der einzige Unterschied“, so Berkhahn. Beim nächsten Weltcup in Chun‘An (China) am 16. September geht es für Herwig jedenfalls nicht um das Resultat. „Da lasse ich ihn zum Lernen einfach nur im Pulk schwimmen.“