Magdeburg l Wie doch die Zeit vergeht. Vor acht, neun Jahren war Tom Hagendorf noch ein junger, eher zurückhaltender Mann, der um seinen Einsatz im Startaufgebot kämpfen musst. Lang in der Statur, manchmal etwas lethargisch im Becken. Aber immer bereit für die Wasserball-Union Magdeburg (WUM). Gestern am Telefon ist Hagendorf ein selbstbewusster 27-Jähriger, der die klare Ansage nicht scheut. Der sein Studium zum Bauingenieur abgeschlossen hat. Der seine Master-Arbeit im zweiten Studium auf Lehramt für berufsbildende Schulen schreibt. Und der zu den Leistungsträgern der WUM zählt. Und er ist zudem der Teammanager – mittlerweile seit fünf Jahren.

WUM kämpfte mit Finanzsorgen

Als dieser hat Hagendorf die ehrenvolle Aufgabe, die Kommunikation zwischen Mannschaft und Verein am Leben zu halten. Die Unterkünfte für die Auswärtsfahrten zu buchen. Und dies nicht nur mit einem halben Auge auf den Kontostand des Vereins, der sich gerade erst aus einem finanziellen Loch in fünfstelliger Höhe herausgearbeitet hat. „Der finanzielle Aufwand steht für uns ganz klar im Fokus“, sagt Hagendorf. Genau deshalb hat sich die WUM entschieden, den Doppelspieltag an diesem Wochenende – am Sonnabend beim SV Halle (20 Uhr) und am Sonntag bei der HSG Leipzig (17 Uhr) – ohne nächtlichem Zwischenstopp zu absolvieren, sondern die jeweilige Heimreise wieder anzutreten.

Und das wollen sie an beiden Tagen mit einem Sieg. Den ersten hat die Mannschaft von Trainer Milan Mijokovic bereits mit einem 12:9 gegen Chemnitz in heimischer Halle eingefahren. Halle (9:20 gegen Zwickau, 5:22 gegen Plauen) und Leipzig (6:17 gegen Zwickau, 8:16 gegen Plauen) hatten dagegen ein weniger glückliches Händchen. Von der Papierform her ist WUM also in beiden Duellen der Favorit. „Wir sind ambitioniert“, erklärt Hagendorf, „wir wollen unseren Meistertitel verteidigen und in die Bundesliga aufsteigen.“

Verteidigung arbeitet gut

Dazu hat die WUM eine gute Mischung aus erfahrenen Akteuren und Nachwuchsspielern gefunden. Allerdings ist der Kader in seiner Breite und auch Routine noch nicht so aufgestellt, als dass es schon in dieser Saison zum Start im deutschen Oberhaus gereicht hätte. Hagendorf denkt natürlich deshalb schon einen Winter und Frühling weiter, die WUM will nicht erst mit dem möglichen Aufstieg einen Kader zusammenbasteln, sondern sich diesem bereits zuvor sicher sein. Aber bei aller Planung stehen die aktuellen von insgesamt 20 Saisonpartien natürlich im Vordergrund.

Der Erfolg gegen Chemnitz hat Coach Mijokovic aufgezeigt, worin sich sein Team noch verbessern muss. „Die Verteidigung arbeitet bereits sehr gut“, sagt Hagendorf zwar. „Aber ein Defizit haben wir im Überzahlspiel.“ Das wiederum ist auch nicht allzu schnell abzustellen. „Das funktioniert nur über das Kollektiv. Aber wir können alle nicht so oft miteinander trainieren.“ So zum Beispiel leben und arbeiten die Söhne des Coaches, Nikola und Viktor Mijokovic, in Hannover und werden dort auch vom Vater trainiert.

Führungsspieler Händel

Die Brüder gehören zu den Neuzugängen, die die WUM im Sommer verpflichtet hat. Wie auch Duncan Händel, gerade 18 Jahre, ehemaliger Junioren-Nationalspieler, gekommen von den Wasserfreunden Spandau. „Wir haben uns mit sehr guten Akteuren verstärkt“, erklärt Hagendorf. Was nicht zuletzt diese Tatsache zeigt: Händel ist schnell zum Führungsspieler bei den Magdeburgern aufgestiegen.

Aber nicht alle sind am Wochenende dabei. Hinter Händel (erkältet) selbst steht ein Fragezeichen. Jos-Elias Schermer, 19 Jahre, ist aus privaten Gründen verhindert. Und Pavel Japaridze, der 37-jährige Georgier und beste Kumpel der ehemaligen Torgarantie der WUM, Ilia Butikaschwili (jetzt in München), weilt in seiner Heimat.

Das reicht allerdings nicht zum Pessimismus. Hagendorf betont nämlich: „Das sollen keine Ausreden sein. Drei Siege sind für uns zum Saisonauftakt wichtig.“