Magdeburg l Eine glückliche Anabel Galander, ein ernüchteter Christopher Grotheer: Die Wintersportler Sachsen-Anhalts sind mit unterschiedlichen Gefühlen aus dem Weltcup-Auftakt der Saison gefahren. Während die Bob-Anschieberin vom Mitteldeutschen SC in Sigulda (Lettland) den ersten Podiumsplatz ihrer Karriere feierte, ist der Wernigeröder Skeletoni an gleicher Stelle direkt in die Enttäuschung gerauscht. Für den Ilsenburger Toni Eggert hat sich indes bei den deutschen Meisterschaft der Rodler eine Vermutung bestätigt: Die Saison der Doppelsitzer wird eine besonders spannende.

Bob

Es muss eine kurze Nacht gewesen sein von Freitag auf Sonnabend für Anabel Galander. „Ich war so aufgeregt, ich bin vor dem Einschlafen noch einmal alles durchgegangen“, berichtete sie. Sie hat vor ihrem geistigen Auge den Bob angeschoben, sie ist im Rücken von Pilotin Kim Kalicki den 1200 Meter langen Eiskanal von Siguldamit seinen 16 Kurven hinuntergerauscht. Und vielleicht hat sie sich zudem ausgemalt, wie sie auf das Podest fahren würde.

Am Tag des Wettbewerbs war die Aufregung aber verflogen, nachdem „ich meinen Anzug angezogen und den Helm aufgesetzt hatte“, sagte die Anschieberin vom Mitteldeutschen SC, die sodann ihr erstes Karrierepodium bei ihrem ersten Weltcup überhaupt und mit Kalicki holte – und alles in entspannter Atmosphäre. „Ich bin einfach glücklich und zufrieden“, freute sich Galander hörbar. Und ihr Glück wurde auch nicht von der Tatsache geschmälert, dass die Russinnen wegen Corona-Fällen im Team nicht gestartet sind, dass die Bobteams aus den USA und Kanada erst gar nicht die Reise nach Europa angetreten haben und auch in diesem Jahr nicht mehr antreten werden.

Ihre Premiere hatte es in sich: Das Rennen mit nur neun Zweierbobs verzeichnete letztlich zwei Stürze – einen von Laura Nolte im ersten Durchgang, einen von Martina Fontanive (Schweiz) im zweiten. Letztere hatte zur Halbzeit auf Rang drei vor Kalicki/Galander gelegen. Auch das deutsche Duo fuhr nicht mühelos auf den Bronzeplatz. „Im ersten Lauf haben Kim und ich uns gar nicht am Start getroffen“, berichtete die 21-jährige Magdeburgerin. „Entweder war ich zu früh oder sie zu spät dran. Da waren wir nicht gut aufeinander abgestimmt.“ Dennoch bedeuteten 5,38 Sekunden noch die fünftbeste Startzeit im Feld. „Im zweiten Lauf war es besser, obwohl 5,35 Sekunden auch noch ausbaufähig sind.“

Am Ende der beiden Wertungsläufe lagen Kalicki/Galander 0,58 Sekunden hinter Siegern Mariama Jamanka/Vanessa Mack und 0,45 hinter dem österreichischen Team mit Pilotin Katrin Beierl. Ein Ergebnis, dass die 23-jährige Kalicki selbstkritisch analysierte: „Ich denke, dass wir nächste Woche etwas aufzuarbeiten haben, da die Fahrten teilweise sehr unrund waren und am Start nächste Woche auch mehr gehen sollte.“ Nächstes Wochenende steigt mit ihr Anschieberin Ann-Christin Strack in den Schlitten.

Rodeln

Wenn Toni Eggert von einem engen Rennen mit dem ärgsten Doppelsitzer-Rivalen um die Titel dieser Saison spricht, dann spricht er über Rückstände von kaum wahrnehmbarem Maße. Wie am Sonnabend gemessen am Königssee bei den deutschen Meisterschaften. Eggert hat dort mit Sascha Benecken mit 0,05 Sekunden Rückstand nach zwei Läufen auf Tobias Wendl/Tobias Arlt die Silbermedaille gewonnen. Aber Eggert war auch klar, dass zu diesen Titelkämpfen noch nicht jeder sein gesamtes Potenzial ausschöpfen würde.

Wenn dann Wendl sagt, „wir haben das Rennen als Materialtest für die WM genutzt“, könnte dieser Satz auch über die Lippen des Ilsenburgers gegangen sein. Denn der 32-Jährige wollte ebenfalls testen: „Ich habe im Sommer auch einiges am Schlitten gebaut“, so Eggert. „Zu Beginn hatte noch nicht alles so funktioniert.“ Aber Eggert und Benecken, der mit einer Nackenverletzung gestartet war, werden auch die letzte Möglichkeit ausreizen, um das Gerät ihren Ansprüchen entsprechend zu justieren.

Während also der deutsche Zweikampf an der internationalen Spitze in seine nächste Runde geht, haben beide dominierenden Duos der letzten Dekade einen neuen Gegner aus dem deutschen Stall erhalten: Die dreimaligen Junioren-Weltmeister Hannes Orlamünder und Paul Gubitz haben sich in der Selektion gegen das bewährte Duo Robin Geueke/David Gamm durchgesetzt und sind von Bundestrainer Norbert Loch für den ersten Weltcup am kommenden Wochenende in Innsbruck nominiert worden.

Skeleton

Auch am Tag nach dem Saisonauftakt klang Christopher Grotheer ernüchtert. „Das war sehr, sehr enttäuschend“, erklärte er zu Rang elf am Freitag in Sigulda mit 1,62 Sekunden Rückstand auf Sieger Martins Dukurs (Lettland), der von Grotheers Teamkollegen Felix Keisinger und Alexander Gassner gefolgt wurde. Dabei lag der Wernigeröder zur Halbzeit nur 0,27 Sekunden hinter Silber. „Ich muss mir die Rennen noch mal anschauen und sie analysieren. Ich wollte im zweiten Durchgang angreifen, stattdessen bin ich weiter zurückgefallen“, so Grotheer, der bereits viele Gedanken nach seiner Zieldurchfahrt zwei Gründe für sein Abschneiden gefunden hatte: „Meine Startzeiten waren zu schwach. Ich muss unter einer Zehntelsekunde hinter ,Keisi‘ bleiben, um vorne reinfahren zu können.“

Keisinger gehört zu den stärksten Startern im Feld, diesmal war er bis zu zwei Zehntel stärker als Grotheer. Den zweiten Grund fand der 28-Jährige indes in Material: „Ich hatte die falsche Kufe drauf, was aber keine Entschuldigung sein soll. Aber ich hatte das unterschätzt oder falsch eingeschätzt, das muss ich mir ankreiden.“

Deshalb will Grotheer bis zum nächsten Start am kommenden Freitag nicht zuletzt am Material basteln: „Mein Fahrstil braucht Sicherheit, deshalb muss ich an den Einstellungen etwas ändern.“