Sigulda/Magdeburg l Licht aus, Spot an. Auch für Lisa Gericke. Die Bobanschieberin vom Mitteldeutschen Sportclub hat am Freitag ihr Debüt im Weltcup gegeben. In der bereits vierten Saison ihrer zweiten Karriere nach dem Eisschnelllauf.

Eisige Kälte hatte Gericke im lettischen Sigulda empfangen. Einen dicken blauen Flecken hatte sie sich nach der Trainingsfahrt eingefangen. Aber als die Werbebanden in den letzten Tagen runtergerollt, die Kameras aufgestellt wurden, als sie vor ihrem ersten Start „aufgeregter als sonst“ gewesen ist, da waren Entbehrungen, schlechte Phasen und Prellungen längst vergessen. Da schob Gericke ihre Pilotin Anna Köhler zu Platz drei an.

2018 lief endlich rund

Gericke ist 23 Jahre jung, aber wenn sie über bisherige Laufbahn in den Eiskanälen erzählt, dann klingt das zuweilen wie eine einzige Pechsträhne – vor allem der Bericht über die vergangenen zwei Jahre. 2017 fiel sie drei Monate lang mit einer Oberschenkelverletzung aus. Ihre Pilotinnen hatten außerdem mit Verletzungen zu kämpfen oder mussten aus anderen Gründen passen. „Ich bin die beiden vergangenen Saisons nie durchgefahren“, sagt Gericke. Damit konnte sie sich auch nicht für höhere Aufgaben beweisen.

Doch 2018 ist alles anders: „In der Vorbereitung lief es für mich endlich richtig rund“, berichtet Gericke. Und nicht nur das: Bundestrainer René Spies sind die Anschieberinnen ausgegangen. So wurden einer Pilotin jeweils zwei Damen fest zugewiesen, die sich bei den Weltcups abwechseln. Anna Köhler hat der 1,81 Meter großen Gericke bereits den Plan ihrer Einsätze mitgeteilt. Sie wechselt sich mit Leonie Fiebig ab.

Keine Gedanken an Whistler

Aber entscheidend für den weiteren Saisonverlauf ist auch der zweite Leistungstest am 22. Dezember in Oberhof. Gerade in Richtung Weltmeisterschaft, die vom 25. Februar bis 10. März in Whistler (Kanada) ausgetragen wird. „Darüber mache ich mir aber überhaupt keine Gedanken“, erklärt Lisa Gericke. Zunächst will sie ihre erste Weltcup-Saison genießen.

In Sigulda erhielt sie das erste Mal ein Gefühl von Weltklasse, wenngleich die starken Kanadierinnen sich für einen Start im Europacup, in dem auch Gericke drei Jahre lang zu Hause war, in Altenberg entschieden hatten. „Wenn man gegen eine Konkurrenz startet, die schon Olympia-Medaillen gewonnen hat, dann ist alles ein bisschen größer“, sagt Gericke lächelnd.

Am größten war letztlich die eigene Freude über Rang drei, so sehr jubelten Köhler und Gericke: In 1:43,50 Minuten hatten die beiden den kurvenreichen, engen Eiskanal in zwei Läufen durchfahren. "Ich bin noch ein bisschen sprachlos", sagt Gericke einige Stunden später. Es gewann Olympiasiegerin Mariama Jamanka mit Annika Drazek in 1:42,68 Minuten.