Magdeburg l Die querschnittsgelähmte Athletin Andrea Eskau tritt im Sommer wie im Winter an. In den warmen Monaten fährt sie Handbike, im Winter Schlitten. In den vergangenen Wochen hat die 47-Jährige gleich sechs Medaillen bei den Winter-Paralympics in der südkoreanischen Stadt Pyeongchang geholt. Die Thüringerin Andrea Eskau startet für den Universitätssportclub (USC) Magdeburg. Am Montag wurde sie in der Landeshauptstadt empfangen.

Mit dabei: Peter Fuhrmann vom USC. Geht es nach Volkmar Stein, Präsident des Behinderten- und Rehabilitationssportverbandes Sachsen-Anhalt, ist er der „Vater der Medaillen“. Ohne ihn wäre Andrea Eskau nie so in den Sport eingestiegen. Fuhrmann hat den Handbike-Sport in Sachsen-Anhalt gegründet. Das Sportgerät ist vergleichbar mit dem Fahrrad, wird aber allein durch die Arme angetrieben.

Als Andrea Eskau in Magdeburg eine Umschulung machte, lernten sich die beiden kennen. Der USC-Handbiker nahm sie mit in eines der traditionellen Trainingslager in Osterburg und legte damit den Grundstein für Eskaus sportliche Karriere. Sie ist heute eine der besten Handbikerinnen weltweit. Im Winter tritt die Sportlerin beim Biathlon und Skilanglauf kniend in einem speziellen Skischlitten an.

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Zuhause ist die gebürtige Thüringerin heute in Köln. In Bonn arbeitet sie am Bundesinstitut für Sportwissenschaften. Andrea Eskau, die vor 20 Jahren einen schweren Radunfall hatte und seitdem im Rollstuhl sitzt, trainiert mehrere Stunden pro Tag. Allein für Pyeongchang waren es 1500 Stunden. „Auch wenn meine Trainer davon nicht begeistert sind“, erklärt die 47-Jährige gestern. Gerade gönne sie sich eine einzige Woche Pause. Dann müsse es mit den Vorbereitungen weitergehen. „Die Mannschaft braucht mich.“ Schließlich stehen 2020 die Sommer-Paralympics in Tokyo ins Haus. Doch erst ein Blick zurück: Die gerade zu Ende gegangenen Spiele waren „ein nicht wiederholbares, unglaubliches Ereignis“, sagt Eskau. Vom Deutschen Behindertensportverband wurde sie als Fahnenträgerin für die Eröffnungsfeier in Südkorea benannt.

Eskau lobt die „perfekte Organisation“. „Auch wenn ein Bus bereits voll war, startete er nie vor der geplanten Abfahrtszeit“, lässt die Leistungssportlerin ihre Gratulanten aus Sport und Politik an den Pyeongchang-Erfahrungen teilhaben. Gefragt nach ihrem emotionalsten Moment, kommt die Antwort prompt: Die Bronzemedaille in der Mixed-Staffel. Für ihren Teamkollegen Alexander Ehler sei damit ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen. Er hatte vor 26 Jahren die Olympischen Spiele als Biathlet schon einmal vor Augen. Dann erlitt er einen Motorradunfall.

Dass die Paralympioniken heute genau wie andere Sportler gefördert werden, lobt Andrea Eskau. Sie erklärt: „Sachsen-Anhalt ist da ganz weit vorne und nimmt eine herausragende Rolle ein.“ Am Ende verrät die Spitzensportlerin noch ihren Trick, um im Rennen innere Ruhe zu finden: „Ich stelle mir immer vor, das hier ist das Training für den Wettkampf am nächsten Tag.“ Woher ihr Spitzname „Tiger“ kommt, soll allerdings ein Geheimnis bleiben – zwischen ihr und ihrer Partnerin Amira Antar. Die war am Montag auch dabei. Und Eskau erklärt: „Nichts von alldem würde ohne Miri gehen.“