Ilsenburg l Toni Eggert hat sich für seinen Sommerurlaub einen exquisiten Ort ausgesucht. Der Ort heißt Ilsenburg, liegt im Harz, ist sein Zuhause. Er hätte Südsee buchen können. Aber Fehlanzeige. Oder Kanaren? Keine Zeit. Oder Mallorca? Nicht einmal in diesem Jahr. Nur Ilsenburg. „Das muss reichen“, sagt der Rennrodler.

Die Saison ist schon seit zwei Wochen vorbei und hat längst ihren Platz im statistischen Jahrbuch gefunden. Aber Eggert rodelt immer noch. Bis zum gestrigen Freitag fuhr der 30-Jährige mit seinem Doppelsitzer-Partner Sascha Benecken in Königssee. Ab Montag rodelt das Duo in Sigulda (Lettland). „Wir haben viel trainiert und getestet und sind ziemlich kaputt“, berichtet Eggert von den bisherigen Einheiten. Und schickt ein langes Gähnen hinterher. Selbst nach der Saison wollen sie aufholen, was sie nach einem Sturz im vergangenen Oktober in Oberhof und anschließender fünfwöchiger Zwangspause verpasst haben: den Materialtest.

OP-Termin am 20. März

Dieser Sturz von Oberhof ist übrigens längst nicht ausgestanden. Eggert hat sich damals im Training eine Fraktur des rechten Wadenbeins zugezogen. „Ich konnte zwar ordentlich rodeln, aber nach wie vor kann ich den Fuß nicht richtig strecken.“ Nach Sigulda folgt also eine Woche Ilsenburg, folgt wiederum am 20.  März eine zweite Operation in Berchtesgaden – dort werden Draht und Bolzen, die zusammenhielten, was zusammengehört, entfernt. Folgt die erneute Reha in Donaustauf. „Und danach beginnt schon wieder die Vorbereitung auf die neue Saison“, berichtet Eggert.

Die soll so erfolgreich werden wie die alte, in der Eggert und Benecken zum vierten Mal den Gesamtweltcup gewonnen haben, in der sie in Winterberg Weltmeister im olympischen Wettbewerb und im Sprint wurden. Fünf Weltcup-Siege haben sie außerdem gefeiert. „Wir hätten zum Beispiel in Innsbruck oder in Oberhof gerne besser abgeschnitten, aber unterm Strich war es eine schöne Saison“, erklärt Eggert.

In Innsbruck und Oberhof, auf ihrer Heimbahn, sind sie nämlich Zweite geworden. „Nur“ Zweite, wenn man es nach dem Anspruch des Duos formulieren soll. Auch zum Abschluss in Sotschi, als die Russen auf ihrer Hausbahn ihre Festspiele feierten, wurde es Rang zwei. „Da sind wir allerdings auch mit einem Material gefahren, das wir noch gar nicht eingesetzt hatten. Deshalb war das Ergebnis auch in Ordnung für uns“, sagt Eggert.

Ein neuer Schlitten wird gebaut

Viel wichtiger waren an jenem Tag sowieso andere Erkenntnisse. Gerade mit Blick auf die Weltmeisterschaft 2020, die in Sotschi gefahren wird. „Wir waren ein paar Jahre nicht da, das hat uns gezeigt, dass wir dort auch wieder lernen müssen zu fahren.“

Die Konstellation im nächsten Winter ist ja eine andere: Auch die Athleten des Bob- und Schlittenverbandes (BSD) haben im Vorfeld der WM mehr Trainingsläufe auf der Olympiabahn von 2014. Eggert ist sich sicher: „Im nächsten Jahr werden es die Russen schwer haben, auf das Treppchen zu fahren.“ Und ganz oben auf jenem wollen dann wieder Eggert und Benecken stehen.

Bis dahin werden nicht nur viele Stunden im Eiskanal, sondern auch Nächte in der Werkstatt vergehen. Eggert baut wie in jedem Sommer einen neuen Schlitten in der mittlerweile fünfjährigen Kooperation mit ThyssenKrupp. Man fragt sich inzwischen, wie er das nächste Gerät noch schneller machen will. Irgendwann müssen ihm dafür doch die Ideen ausgehen. Aber nein, betont Eggert: „Wir haben die Saison analysiert. Und es gibt immer Potenzial für Verbesserungen.“

Mehr sagt Toni Eggert wie immer nicht. Das Geheimnis seiner Schlitten soll nämlich ein Geheimnis seiner Erfolge bleiben.