Magdeburg l Dienstagmorgen dieser Woche, 1.12 Uhr: Toni Eggert bestätigte per Handy-Nachricht den telefonischen Termin mit der Volksstimme. Der Zeitpunkt war nicht etwa einem Mangel an Schlaf geschuldet, nicht einer möglichen Aufregung vor der Rodel-Weltmeisterschaft am Königssee. Eggert hat gebastelt, gefeilt, gerechnet – zwölf Stunden lang in der Garage in Berchtesgaden und vor dem Absenden der Nachricht. Eggert hat also sein Gerät präpariert für den neuerlichen Goldkampf, zu dem er bereits morgen im Sprintwettbewerb, aber erst recht am Sonnabend ab 9 Uhr im olympischen Rennen antritt. In diesem will er zum vierten Mal in Serie mit Doppelsitzer-Partner Sascha Benecken siegen. „Wir haben auf jeden Fall die Chance, zu gewinnen“, betonte Eggert: „Wenn wir unseren Job am Start gut erledigen, können wir am Ende ganz oben stehen.“

Der Eiskanal am Königssee gehört zu den längsten Bahnen im gesamten Rodel-Zirkus. Er ist für Doppelsitzer 1242 Meter lang, die einfache Fahrt dauert 50 Sekunden, zwei Läufe müssen bis zum erhofften Jubel absolviert werden. Die Konkurrenten Tobias Wendl/Tobias Arlt haben es auch schon schneller geschafft. Fünf Jahre ist es her, dass sie den Rekord auf ihrer Heimbahn mit 49,311 Sekunden aufgestellt haben. Aber die Konkurrenten sind von Eggert/Benecken in diesem Winter geschlagen worden. Am 2. Januar feierten der Ilsenburger Pilot und sein Sozius ihren zweiten Saisonsieg.

Eine Chance auf einen erneuten Erfolg im Gesamtweltcup haben sie trotzdem nicht mehr, 126 Punkte bei noch einem Rennen in St. Moritz beträgt ihr Rückstand auf die Führenden Thomas Steu/Lorenz Koller (Österreich). „Wir hatten einfach zwei Stürze zu viel, um den Pokal erneut zu gewinnen“, erinnerte sich Eggert an die Wettbewerbe in Oberhof im Dezember und in Sigulda (Lettland) vor drei Wochen, als sie jeweils umgekippt waren während eines Laufes und damit wertvolle Zähler verschenkt hatten.

Der Start kommt Eggert entgegen

Eggert sagte: „Den Gesamtsieg im Weltcup hatten wir schon vor dem letzten Rennen in Oberhof abgehakt.“ Vor dem zweiten Weltcup-Rennen auf seiner Heimbahn vor zwei Wochen. „Dort hätte alles perfekt laufen und wir gewinnen müssen, um noch eine kleine Chance zu haben.“ Aber dort belegten sie Platz vier und eine Woche später – bei der WM-Generalprobe – in Innsbruck-Igls (Österreich) Rang fünf.

Auch dieses Resultat hatten Eggert/Benecken schnell abgehakt. In Innsbruck, so der 32-jährige Pilot, ist der Start langsam, die Startkurve für ein optimales Lenken seines Schlittens nicht geeignet. Die Schienengeometrie ist eine andere als bei anderen Geräten. Dafür holen Eggert/Benecken im Kanal viele Hundertstel auf, sollten sie diese auf den ersten Metern verloren haben. Aber diese Gefahr ist in Königssee gering. Der Start dort ist lang, er ist schnell und es erwartet das Duo nicht gleich eine erste scharfe Kurve, in die Eggert das Gerät manövrieren müsste. Dort entscheidet der kraftvolle Paddelschlag, die Athletik also. Und dieser geht es bestens im Team Eggert/Benecken.

Eggert hat nun viel berichtet über Aerodynamik, über Luftwiderstand, über das Tempo, das sie aufnehmen müssen. Bei ihrem Weltcupsieg im Januar an gleicher Stelle erzielten sie zweimal knapp 111 Kilometer pro Stunde. Sie waren nicht die schnellsten, aber in beiden Läufen konstant schnell. Genau darum geht es im Rodeln. Und um die Einstellung des Schlittens: „Nach dem Sprintrennen am Freitag habe ich noch die Zeit, Änderungen vorzunehmen“, blickte Eggert voraus. Sicher keine zwölf Stunden, aber ausreichend viel, um die Chance auf den vierten WM-Titel vorzubereiten.