Whistler/Magdeburg l Christopher Grotheer hat in Whistler nur ein Ziel: „Am Ende möchte ich einfach gut Skeleton fahren.“ Wunder sind von dem Wernigeröder bei der Weltmeisterschaft in Kanada nicht zu erwarten. Zwei Muskelfaserrisse im rechten Oberschenkel innerhalb weniger Monate hatten dafür gesorgt, dass er die erste Hälfte der Weltcup-Saison gar nicht mitfahren konnte. Bei der Generalprobe in Calgary vor zehn Tagen wurde er wiederum wegen muskulärer Probleme geschont. Grotheer: „Um nichts zu riskieren und eine optimale WM-Vorbereitung zu garantieren, habe ich dort auf einen Start verzichtet.“

Die Generalprobe hat er nun beim Bob/Skeleton-Teamwettbewerb am Sonntag nachgeholt. Er ist nicht nur gut durch den 1450 Meter langen Eiskanal mit 16 Kurven gekommen. Er hat auch noch Gold mit der Mannschaft Deutschland II, zu der auch Anschieberin Lisa Gericke vom Mitteldeutschen Sportclub im Zweier von Anna Köhler gehörte, gewonnen. Das achte Gold für den Bob- und Schlittenverband (BSD) bei der zehnten WM-Austragung des nichtolympischen Wettbewerbs übrigens.

Grotheer hat laut gejubelt, Grotheer hat sich gefreut. Grotheer hat sich ein gutes Gefühl geholt für seinen Einzelwettbewerb, der am Donnerstag und Freitag in vier Wertungsläufen ausgetragen wird.

WM-Ticket stand auf der Kippe

Schon allein sein Start in Whistler dürfte ihn zur besten Leistung motivieren, denn im Kampf um das WM-Ticket stand der 26-Jährige lange genug auf der Kippe. Der sechste Platz beim vorletzten Weltcup in Lake Placid (USA) dürfte letztlich Bundestrainer Dirk Matschenz überzeugt haben. „Die Startzeiten haben sich in den letzten Wochen in die richtige Richtung entwickelt“, betonte Grotheer zu seinem Formanstieg auf den ersten Metern. Und wenn man seinen Jubel vom Sonntag richtig gedeutet hat, hat Grotheer zur WM auch die richtige und wichtige Lockerheit gefunden.

Die hat ihm zu sehr gefehlt in der Vergangenheit. „Ich wollte zu viel erzwingen und habe den Schlitten dann nicht laufen lassen“, resümierte Grotheer. Deshalb waren ihm auch in Lake Placid „der eine oder andere Fehler zu viel unterlaufen, und dann reicht es nicht zu mehr“, sagte er. Der Perfektionist ist dann verkrampft, aber das kostet Tempo. Und wer den Topspeed der Skeletonfahrer von knapp mehr als 140 Kilometern pro Stunde in Whistler nicht zulässt, der kann auch nicht nach vorne fahren.

Rang fünf als bestes WM-Ergebnis

Der Sprung in die Spitze ist bei Grotheer auch nicht zu erwarten. Sein bestes WM-Ergebnis datiert aus dem Jahr 2015, als er in Winterberg Fünfter wurde. „In den vergangenen Jahren hat sich bei den Großereignissen gezeigt, dass man in allen vier Läufen eine konstant gute Leistung zeigen muss“, um in die Top-Drei vorzustoßen, sagte Grotheer und ergänzte: „Ich denke, dass ich in Whistler konkurrenzfähig bin.“ Das war er übrigens auch beim Weltcup im vergangenen Winter: Damals wurde Grotheer Vierter mit nur 0,04 Sekunden Rückstand auf Bronze.