Halle l Der Präsident geriet nur einmal ins Straucheln. Bei der Abstimmung zur neuen Geschäftsordnung des Landessportbundes Sachsen-Anhalt (LSB) suchte Andreas Silbersack für einen Moment seine grüne Abstimmungskarte, musste per Hand abstimmen. Eher eine Schmonzette am Rande dieses 8. Landessporttages, den der LSB am Sonntag im Steintor in Halle abhielt. Denn insgesamt vermittelte das oberste Gremium des Sports im Lande einen sehr gut aufgestellten Eindruck.

Neue Vizepräsidenten für LSB

Vor den 128 anwesenden Delegierten lag ein üppiges Programm, die Delegiertenunterlagen umfassten allein 290 Seiten. Insgesamt 31 Tagesordnungspunkte standen zur Debatte, über 18 Beschlussfassungen galt es abzustimmen. Hinzu kamen die Präsidiumswahlen. Dabei präsentierte sich der Sport in der sechseinhalbstündigen Sitzung überaus harmonisch. Das bestätigte sich auch ganz am Ende in den Wahlen. Alle amtierenden Präsidiumsmitglieder um Präsident Silbersack wurden mit klarer Mehrheit wiedergewählt. Neu ins Gremium rückten Axel Schmidt als Vizepräsident Leistungssport, der auf Edda Kaminski folgte, sowie Michael Rehschuh als Vizepräsident Bildung und Personalentwicklung. Hier trat Winfried Melzer nicht mehr an.

Kontrovers wurde es am Sonntag nur einmal: In der Diskussion über die Neuaufnahme des Landesverbandes Special Olympics in den LSB. Der Verband vertritt Sportler mit geistiger Behinderung, ein Teilbereich, den auch der Behindertensportverband BSSA für sich beansprucht. "Hier entsteht eine Konkurrenzsituation", argumentierte BSSA-Präsident Volkmar Stein. Zudem sah sich auch LSB-Chef Silbersack Fragen nach einer möglichen Befangenheit ausgesetzt, da er - geprägt als Vater eines behinderten Sohnes - den Verband 2013 als Initiator ins Leben gerufen hatte. "Jeder im Präsidium", sagte Silbersack, "ist auf eine gewisse Weise interessensgeleitet, denn jeder im Präsidium entstammt der Sportstruktur."

Special Olympics wurde mit 90 Ja- und 17 Nein-Stimmen bei 28 Enthaltungen aufgenommen. Letztlich eine deutliche Mehrheit - und doch das engste Ergebnis aller Abstimmungen. Zudem wurden auch der Bahnengolf-Verband sowie der Cheerleading-Verband neu aufgenommen.

Mehr Mitglieder, weniger Vereine

Damit werden die Mitgliederzahlen des LSB weiter steigen können. Insgesamt verläuft die Entwicklung in diesem Bereich nämlich positiv. 349.825 Aktive sind aktuell im LSB organisiert, gut 13.000 mehr als beim letzten Landessporttag im Jahr 2014. Die Anzahl der Vereine schrumpfte von 3142 auf 3093. Auch wenn es negativ klingt, ist das durchaus eine positive Entwicklung angesichts einer im Bundesvergleich sehr kleinteiligen Vereinslandschaft.

Großes Sorgenkind ist hingegen die Entwicklung bei den Übungsleitern und Trainern. Die Zahl ging vom Spitzenstand 2016 von 11.166 auf 10.734 zurück. "Das ist ein Alarmsignal", meinte Silbersack. "Wir werden uns Modelle überlegen müssen, Anreize zu schaffen."

LSB erwirtschaftet Überschuss

Finanziell steht der LSB inzwischen ebenfalls gut da. Die drei Haushaltsbereiche LSB, Trainerpool und Landessportschule Osterburg erwirtschafteten 2017 Überschüsse in Höhe von 319.000 Euro. Dass der LSB insgesamt dennoch ein Minus von 364.680 Euro auswies, hat allein bilanztechnische Hintergründe. Finanzchefin Ines Kramer erklärte dies vor allem mit der Notwendigkeit, Rücklagen zu bilden. Hintergrund: Auf den LSB könnten erhebliche Steuernachforderungen zukommen. „Wir hoffen, mit dem Finanzamt und dem Finanzminsterium eine Lösung zu finden“, heißt es dazu im Rechenschaftsbericht.

Ergebnis Präsidiumswahlen

Andreas Silbersack, Präsident

106 Ja / 8 Nein / 8 Enthaltungen

Dirk Meyer, Vizepräsident Gesellschaft / Infrastruktur

115 / 5 / 2

Petra Tzschoppe, Vizepräsidentin Breitensport

107 / 11 / 4

Axel Schmidt, Vizepräsident Leistungssportentwicklung

114 / 6 / 2

Rainer Voigt, Vizepräsident Finanzen

115 / 6 / 1

Vizepräsident Bildung / Personal:

Michael Rehschuh 90 Ja

Lars Brzyk 32 Ja

Erwin Bugar Vizepräsident Kommunikation / Marketing

111 / 6 / 5

Silke Renk-Lange, Vizepräsidentin Frauen / Gleichstellung

119 / 3 / -

Der Kommentar "Parallelstrukturen vermeiden" zum Thema.