Abu Dhabi (dpa) - Vaterfreuden haben Sebastian Vettels Aufbruch ins Formel-1-Finale von Abu Dhabi verzögert. Kurz vor dem Schlussakt am Persischen Golf und dem Aufeinandertreffen mit seinem Stallrivalen Charles Leclerc ist der viermalige Weltmeister zum dritten Mal Papa geworden.

Nach zwei Mädchen brachte seine Frau Hanna einen Sohn zur Welt. Seinen ursprünglich angesetzten Medientermin auf dem Yas Marina Circuit sagte Vettel ab und soll Donnerstagnacht in den Vereinigten Arabischen Emiraten landen. Zuvor hatte die "Bild" über den Nachwuchs der Vettels berichtet, eine Sprecherin des Ferrari-Stars bestätigte der Deutschen Presse-Agentur die Geburt.

Die Ankunft des 32-Jährigen im Fahrerlager wird nicht nur wegen der süßen Nachricht mit Interesse erwartet. Wegen des Zoffs mit seinem Scuderia-Stallrivalen Leclerc steht der in der Schweiz lebende Rennfahrer ebenfalls im Fokus. Denn vor knapp zwei Wochen waren er und der junge Monegasse in Brasilien kollidiert. Es gab eine eher harmlose Berührung auf der Geraden, dennoch fielen beide vorzeitig aus und lösten erneut Diskussionen über ein angespanntes Binnenklima beim italienischen Traditionsteam aus.

Auf die Frage, ob er mit seinen Fahrern nach dem Desaster in Brasilien reinen Tisch gemacht habe, antwortete Teamchef Mattia Binotto: "Ja, das haben wir getan." Noch am Sonntag nach dem Grand Prix und auch in den Tagen danach habe man den Unfall besprochen. Eine Unterredung hatte Binotto erst in der Zentrale in Maranello nach der Auswertung weiterer Telemetriedaten und weiteren Videomaterials angekündigt.

"Wir haben zusammen diskutiert, alle drei zusammen", sagte Binotto in einem von Ferrari vor dem letzten Saisonrennen veröffentlichen Video, in dem der Scuderia-Teamchef Fragen von Fans beantwortete. Seiner Einschätzung nach haben Vettel und Leclerc verstanden, dass die Kollision in der Schlussphase von Interlagos "nicht akzeptabel" war. "Wir wissen, wie wir weitermachen müssen."

Und Leclerc? "Ich bin mir ziemlich sicher, dass es nicht wieder passiert", meinte er in Abwesenheit Vettels auf der offiziellen Fahrerpressekonferenz. Es sei nur eine kleine Berührung gewesen, die "großes Drama" ausgelöst habe. Man wolle künftig in einer ähnlichen Situation ein "bisschen weniger aggressiv" gegeneinander fahren.

Binotto beschrieb Vettel und Leclerc als "gute Teamkollegen". Das liege daran, da "beide sehr schnell" seien, "gute Teamspieler" und eine "großartige Mischung" darstellen würden. Hier Leclerc (22), "jung und talentiert", dort Vettel (32), "ein Weltmeister mit viel Erfahrung".

Beide eint der unbändige Rennfahrer-Ehrgeiz, nicht die Nummer zwei sein zu wollen. Weder bei Ferrari noch im WM-Klassement. 19 Punkte hat Leclerc vor dem Schlussakt mehr auf seinem Konto als der Deutsche und liegt nur elf Zähler hinter dem Dritten Max Verstappen im Red Bull. Alleine diese Konstellation um den Führungsanspruch für 2020 sorgt in Abu Dhabi, wo in Lewis Hamilton und dessen Mercedes-Team längst die Weltmeister 2019 feststehen, für gehörige Brisanz.

Zoff zwischen Vettel und Leclerc? Das Verhältnis zwischen seinen beiden Piloten sei einfach bestens, beteuerte Binotto. "Sie haben Spaß zusammen, weil sie eine gute und harmonische Beziehung haben, was sich vielleicht ziemlich von dem unterschiedet, was man sonst liest oder denkt. Man könnte meinen, dass sie einen Konflikt auf der Strecke haben, aber das ist nicht der Fall."

Es sei sogar so, führte Binotto aus, dass die Treffen seiner Alpha-Tiere für gewöhnlich lustig seien. Es sei schön, "dass sie die Gesellschaft des anderen genießen." Vettels Motorsport-Wohlbefinden würde es jedenfalls erheblich steigern, wenn er Leclerc auf dem Asphalt von Abu Dhabi hinter sich ließe.

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