Dortmund (dpa) - Michael Zorc verspürte wenig Lust auf diplomatische Worte. Aus Sorge vor einer weiteren Demütigung im nationalen Fußball-Gipfel am Samstag (18.30 Uhr/Sky) beim FC Bayern bevorzugte der Dortmunder Sportdirektor Klartext.

Schonungslos erinnerte er die BVB-Profis an die vergangenen fünf Bundesliga-Gastspiele in München mit fünf Niederlagen und 3:22-Toren. "Das ist eine Horrorbilanz. Da brauchen wir nicht über Taktik zu reden. Wir müssen Männerfußball spielen, wir müssen Kerle sein. Das ist die klare Vorgabe", tönte Zorc.

Ein Routinier wie BVB-Rekordspieler Zorc wittert die Gefahr, die durch die derzeitige Gemengelage entstehen könnte. Einerseits wähnt sich der BVB nach den Erfolgen im Pokal über Mönchengladbach (2:1), in der Meisterschaft über Wolfsburg (3:0) und in der Champions League über Inter Mailand (3:2) im Aufwind. Auf der anderen Seite scheint der FC Bayern nach der Trennung von Trainer Niko Kovac angeschlagen zu sein.

Zorc warnte das Team davor, aus dieser Ausgangssituation die falschen Schlüsse zu ziehen. "Wir sollten nicht glauben, dass wir irgendetwas geschenkt bekommen und dass es leicht wird. Die Jungs in München reißen sich zusammen, unabhängig davon, wer Trainer ist." Zudem verwies der Sportdirektor auf die große Bedeutung des Spiels - nicht nur im Vorfeld, sondern auch danach: "Weil das Ergebnis oft eine Wirkung für den weiteren Saisonverlauf hat."

Ein Ausfall des Offensivduos Marco Reus und Jadon Sancho könnte die ohnehin knifflige Aufgabe zusätzlich erschweren. Kapitän Reus, der schon Dienstag gegen Mailand fehlte, ist wegen einer Kapselverletzung im Sprunggelenk weiterhin fraglich. Flügelstürmer Sancho hatte sich gegen Mailand eine Muskelverletzung am hinteren Oberschenkel zugezogen. "Bei beiden müssen wir warten. Wir wissen nicht, ob es klappt", kommentierte Lucien Favre. Darüber hinaus befürchtet der Coach weitere Ausfälle: "Nicht nur Marco oder Jadon haben ein Problem. Auch noch zwei, drei andere."

Unabhängig davon, auf welches Team der Coach am Samstag zurückgreifen kann, hofft Julian Brandt auf ein Ende der "Horrorbilanz" in München. Der Nationalspieler ist guter Dinge, dass die Mannschaft "viele gute Sachen aus dem Spiel gegen Inter" mit nach München nimmt: "Wir müssen uns nicht wieder hinten reinstellen und können auch dort mutig auftreten."

Eine Antwort auf die Frage, ob der BVB von der durch die Trainersuche beim FC Bayern entstandene Unruhe profitieren kann, hält der 23 Jahre alte Neuzugang für "schwierig": "Die einen sagen, jetzt sind sie angeschlagen und am verwundbarsten. Die anderen sagen, jetzt sind sie am gefährlichsten. Nach einem Trainerwechsel gibt jeder Spieler gefühlt doppelt Gas, weil der Konkurrenzkampf neu eröffnet ist." Brandt empfahl seinen Mitstreitern dieses Thema auszublenden: "Wir sollten nicht immer zu sehr auf die Münchner schauen, sondern bei uns bleiben."

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