Ottensheim (dpa) - Schon um kurz nach sechs Uhr fließt der erste Schweiß. Mit langen Zügen gleitet der Deutschland-Achter durch den Morgendunst, der über dem Nebenarm der Donau liegt.

Die kurzen Trainingszeiten, die jenseits des üppigen WM-Wettkampfprogramms auf dem Gewässer bei Ottensheim noch bleiben, machen die Ruderer aus dem deutschen Paradeboot zu Frühaufstehern. Dennoch wirken alle hochkonzentriert. Schließlich steht der Crew um Schlagmann Hannes Ocik schon im Vorlauf am Dienstag (12.35 Uhr) eine knifflige Aufgabe bevor. "Das wird eine harte Nuss", kommentierte Trainer Uwe Bender mit Verweis auf die starken Gegner.

Mit einem Sieg oder dem zweiten Platz wäre der direkte Einzug ins Finale am kommenden Sonntag perfekt. Das würde dem Weltmeister der vergangenen beiden Jahre einen zusätzlichen Kraftakt im Hoffnungslauf ersparen und die Chance auf das Olympia-Ticket erhöhen, für das mindestens WM-Rang fünf nötig ist. Bei allem Respekt vor den Kontrahenten aus Australien, Kanada, Italien und Russland hofft Schlagmann Ocik auf einen inspirierenden WM-Start. "Das sind gute Gegner, aber machbare Aufgaben. Ich schätze den anderen Vorlauf mit Großbritannien, den USA, den Niederlanden und Neuseeland stärker ein", sagte der Schweriner.

Wie eng die Weltspitze im vorolympischen Jahr zusammengerückt ist, bekamen die siegesgewohnten Deutschen noch beim Weltcup-Finale Mitte Juli zu spüren. Erstmals seit den Olympischen Spielen von Rio 2016 mussten sie eine Niederlage in einem Endlauf hinnehmen. Dabei profitierte der Dauerrivale der vergangenen Jahre aus Großbritannien jedoch von den grenzwertigen Windbedingungen in Rotterdam. "Diese Regatta war unfair. Allerdings haben die Briten ihren kleinen Vorteil auf der besseren Bahn gekonnt ausgenutzt", sagte Bender.

Der Ärger über diese Niederlage hat sich mittlerweile gelegt. Mit etwas zeitlichem Abstand gewinnen ihr alle Beteiligten sogar Positives ab. "Natürlich war die Enttäuschung zunächst groß und musste danach im Trainingslager aufgearbeitet werden", bekannte Bender, "aber auf der anderen Seite ist das auch Motivation. Zu erkennen, dass es kein Selbstläufer ist, dass es keine Garantie auf Siege des Deutschland-Achters gibt."

Ähnlich wie der Coach hat auch Ocik in den vergangenen harten Trainingswochen in Völkermarkt und München einen positiven Effekt im Team ausgemacht. "Rotterdam ist abgehakt und wurde als Motivation genutzt. Ich habe das Gefühl, das hat die Mannschaft mehr zusammengeschweißt."

Der einstige Achter-Coach und heutige Bundestrainer Ralf Holtmeyer sieht keinen Grund zur Sorge. "Die Gegner werden stärker, das ist typisch vor Olympia. Aber was ich zuletzt beim Training in München gesehen habe, war sehr stabil und stark."

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