Ottensheim (dpa) - Seine Titelsammlung ist schon jetzt imposant, doch sein Ehrgeiz weiterhin ungebrochen. Auch vor dem Showdown der Ruder-WM am Sonntag in Ottensheim verspürt Richard Schmidt den altbekannten Nervenkitzel.

Daran kann auch die große Routine nichts ändern, die er sich in den vergangenen elf Jahren im Deutschland-Achter angeeignet hat. "Das wird ein brutales und enges Rennen. Wir müssen unser Ding abfackeln und dürfen uns nicht nervös machen lassen", sagte der dienstälteste Ruderer im DRV-Paradeboot mit Blick auf das Finale (14.12 Uhr) und den von vielen Experten erwarteten Zweikampf mit dem Erzrivalen aus Großbritannien.

Es spricht für das große Selbstvertrauen der Crew, dass sie sich selbst zuletzt als "FC Bayern des Ruderns" bezeichnete. Diesen Vergleich hält Schmidt für naheliegend: "Wenn die Münchner nicht deutscher Meister werden, ist es eine schwache Saison. Bei uns ist es ähnlich. Wenn wir nicht Europa- und Weltmeister werden, wird nicht mehr über uns geredet." Mit dieser großen öffentliche Erwartungshaltung kann er gut leben: "Der Mythos ist, dass der Deutschland-Achter vorne ist. Den haben wir uns über Jahrzehnte selbst aufgebaut."

Zur jüngsten Erfolgsstory hat der 32 Jahre alte Modellathlet aus Trier als fünfmaliger Weltmeister, achtmaliger Europameister und Olympiasieger von London 2012 in tragender Rolle beigetragen. Aus seinem Stolz über seine Zeit im Paradeboot macht Schmidt keinen Hehl: "Wir waren immer vorne, immer Erster oder Zweiter. So etwas gab es in der ganzen Achter-Historie eigentlich nie."

Niemand im Deutschen Ruderverband kann sich zudem daran erinnern, dass es vor Schmidt schon jemals einen Ruderer gab, der den harten Auswahlkriterien für den Achter elf Mal in Serie gerecht werden konnte. Uwe Bender hält große Stücke auf den Dauerbrenner - nicht nur wegen dessen großer Kraft: "Sein unglaublicher Ehrgeiz treibt ihn an, immer der Beste sein zu wollen. Richard ist eine Leitfigur, ein Vorbild."

Doch bei aller Wertschätzung seines Trainers wird Schmidt bei der Zusammenstellung des Achters für das kommende Olympia-Jahr keine Privilegien genießen. Jahr für Jahr muss das hohe Leistungsvermögen aufs Neue nachgewiesen werden - ob auf dem Ergometer oder im berüchtigten Zweier-Test im Frühjahr. "Bei uns gibt es keine Platzhirsche", sagte Schmidt. Vor dem jungen Vater und Wirtschaftsingenieur, der gerade an seiner Promotion arbeitet, liegt deshalb ein weiteres entbehrungsreiches Jahr mit viel Training und wenig Freizeit. "Ich habe nicht das Gefühl, Kredit zu haben. Unser Coach Uwe Bender und Bundestrainer Ralf Holtmeyer sind da knallhart. Die sagen ganz klar, nein es reicht nicht. Dann bis du raus."

Nach Einschätzung von Trainer Bender hat Schmidt jedoch gute Chancen, im kommenden Jahr zum bereits vierten Mal an Olympischen Spielen teilzunehmen: "Wenn er mal nicht der Beste ist, trainiert er so lange, bis er es wieder ist."

Steckbrief Richard Schmidt

WM-Infos

Homepage Deutschland-Achter