Hangzhou (dpa) - Nach einem EM-Sommer voller Medaillen haben sich die deutschen Schwimmer bei den Weltmeisterschaften mit einmal Bronze begnügen müssen.

Nach diesem Comeback-Erfolg von Marco Koch konnte die Lagen-Staffel über 4 x 100 Meter am Sonntag zum Abschluss trotz zwei deutscher Rekorde keine überraschende weitere WM-Plakette beisteuern. Insgesamt neun nationale Bestzeiten und einige Achtungserfolge abseits des Podests stimmten Chefbundestrainer Henning Lambertz angesichts des Fehlens einiger Topathleten aber auch ohne wiederholten Jubel bei Siegerehrungen zufrieden.

"Es war von Anfang an klar, es fehlen ein paar Leistungsträger, um hier noch mehr Medaillen abzugreifen", sagte Lambertz. "Aber das war nicht das Ziel. Ziel war, dass sich die, die hier sind, gut verkaufen." Das tat die von 24 auf 15 Sportler verkleinerte deutsche Auswahl in China allemal.

Mit Langstrecken-Spezialist Florian Wellbrock, Lagenschwimmer Philip Heintz oder Schmetterlings-Ass Franziska Hentke sowie einigen Staffelschwimmern wäre in Hangzhou die schlechteste Bilanz seit 2008 vermutlich verhindert worden. Zwar wollten sich die Deutschen zurecht nicht an der Medaillenausbeute messen lassen, aber mehr Podestplätze wären gerade nach dem turbulenten Verbandstag und dem Rücktritt von Präsidentin Gabi Dörries gute Imagepflege gewesen.

Freistilschwimmerin Sarah Köhler konnte mit den Plätzen sieben und fünf nicht für eine überraschende Medaille sorgen. Hauchdünn um zwei Hundertstelsekunden schrammte Marius Kusch am Wochenende über 50 Meter Schmetterling an Bronze vorbei. "Marius macht einen Superjob, ihm hätte ich es sehr gegönnt", sagte Lambertz. Sonderlob gab es für die Staffeln, deren Starts Lambertz besonders forciert. "Uns allen hat es sauviel Spaß gemacht, wir haben alles gegeben", sagte Koch nach Rang fünf mit der Lagen-Staffel über 4 x 100 Meter. Die Damen wurden Sechste.

Positiv gestimmt verließ der frühere Langbahn-Weltmeister Koch China. Nach der verpassten EM im Sommer läuft beim 28-Jährigen noch nicht wieder alles perfekt. Aber nach Wechsel von Trainer und Trainingsort geht der Trend in die richtige Richtung. Dass er seinen Weltrekord über 200 Meter Brust an den Russen Kirill Prigoda verlor, stachelt Koch nur noch mehr an. "Klar, die Zeit ist stark, aber nichts, was ich nicht auch kann", lautete Kochs Prognose nach den 2:00,16 Minuten. Koch und Lambertz glauben, dass der deutsche Brustschwimmer der erste Mann unter zwei Minuten auf dieser Strecke sein kann.

Ohne Koch hatte der Deutsche Schwimm-Verband im EM-Becken von Glasgow zweimal Gold, zweimal Silber und viermal Bronze gewonnen. Etwas betrübt war Lambertz, dass man nach dieser "sehr tollen Europameisterschaft" nicht in Mannschaftsstärke den Vergleich mit der internationalen Weltspitze haben konnte.

Trotz der am eigenen Leistungsspektrum gemessen guten  deutschen Leistungen machten die Auftritte der internationalen  Konkurrenz mit insgesamt neun Weltrekorden in den Finals einmal mehr deutlich, wie schwer es in der Spitze nach zwei olympischen Nullnummern bleibt. Mehr Aufschluss wird die Langbahn-WM im kommenden Sommer in Gwangju in Südkorea geben. Abgerechnet wird nach den Sommerspielen 2020 in Tokio.

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