Berlin (dpa) - US-Turnstar Simone Biles hat auch drei Jahre, nachdem sie ihren sexuellen Missbrauch durch einen Nationalmannschaftsarzt öffentlich gemacht hat, mit dem Thema noch nicht abgeschlossen.

"Oh, es ist noch lange nicht vorbei", sagte die vierfache Olympiasiegerin von 2016 in Rio den Janeiro in einem Interview der Sendung "60 Minutes" des US-Fernsehsenders CBS.

Es gebe noch viele unbeantwortete Fragen. "Wer wusste was wann?", sagte die 23-Jährige. Nach ihrer Ansicht haben der Turnverband USA Gymnastics sowie das Olympische und Paralympische Komitee der USA zu wenig für die Aufklärung des Missbrauchsskandals durch Teamarzt Larry Nassar getan. Sie habe zu "einhundert Prozent" das Gefühl, im Stich gelassen worden zu sein. "Wir bringen ihnen Medaillen. Wir leisten unseren Beitrag. Sie können ihren Teil nicht dafür tun? Es ist nur krank", sagte Biles.

Die Turnerin hatte im Januar 2018 öffentlich gemacht, dass sie wie viele andere Sportlerinnen als Teenager im Trainingszentrum von Béla und Martha Károlyi durch den Teamarzt sexuell missbraucht worden sind. Täter Nassar wurde wegen seiner Verbrechen zu 175 Jahren Gefängnis verurteilt.

Wenn sie eine Tochter hätte, würde Simone Biles diese wegen der nach ihrer Meinung immer noch unzureichenden Aufklärung des Skandals nicht für die Nationalmannschaft starten lassen. "Nein", sagte sie auf eine entsprechende Frage und begründete: "Weil ich mich nicht wohl genug fühle, weil sie nicht für ihre Handlungen und das, was sie getan haben, verantwortlich sind. Und sie haben uns nicht versichert, dass es nie wieder passieren wird."

Simone Biles bereitet sich auf die Olympischen Spielen in Tokio vor. Sie ist die einzige noch aktive Turnerin, die von dem Missbrauchsskandal betroffen war.

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Interview Simone Biles bei "60 Minutes"