Hannover (dpa) - Der Deutsche Olympische Sportbund ist empört über einen Vorschlag des Bundesinstituts für Sportwissenschaften (BISp), ein Bundesamt für Sport zu schaffen.

Dem auf der BISp-Homepage veröffentlichten Papier zufolge soll es die Haushalt-Verantwortlichkeit für die gesamte Sportförderung des Bundes erhalten. Pikant ist: Die Überlegungen wurden am Vorabend der DOSB-Mitgliederversammlung am 5. Dezember in Hannover und sechs Tage nach dem Aus der Hamburger Olympia-Bewerbung für 2024 bekannt.

Der DOSB ist keine Unterabteilung des Bundesinnenministeriums. Diese Konstruktion wäre absurd, wetterte der DOSB-Vorstandsvorsitzende Michael Vesper und fürchtet um die Autonomie und Selbststeuerung des Sports. Auch DOSB-Vizepräsident Ingo Weiß war entsetzt: Das ist Schwachsinn. Da wird ein nach dem Scheitern der Olympia-Bewerbung angeschlagener DOSB attackiert.

Überhaupt kein Verständnis hatte DOSB-Präsident Alfons Hörmann für die BISp-Veröffentlichung. Ich sage für den Sport: Das ist nicht unsere Vision. Erspart uns eine solche Entwicklung zurück in die vergangenen Jahrhunderte, sagte er am Samstag in Hannover.

Das BMI, es finanziert das BISp, ist von der Veröffentlichung und dem im Zuge der Neustrukturierung des Leistungssports entwickelten Modells einer zentralen staatlichen Steuerungs- und Koordinierungsebene unter dem Dach des BMI selbst überrascht worden. Wir haben nicht im Ansatz davon gewusst, versicherte Gerhard Böhm, Abteilungsleiter Sport im Berliner Innenministerium.

Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière wusste nichts von dem BISp-Papier: Wenn jemand etwa im Internet veröffentlicht, ist es plötzlich ein Geheimplan des Ministeriums, meinte der CDU-Politiker und fügte an: Das ist einfach dämlich. Wir sollten uns durch stille Post unser Vertrauen nicht nehmen lassen.

Die Inventur des deutschen Leistungssports, vom BMI gefordert, läuft seit einem Jahr. Bei dieser Begutachtung geht es darum, überkommene Strukturen anzupassen und um Effizienzsteigerung mit dem Ziel, mehr Medaillen bei Olympia, WM oder EM zu gewinnen - mit einer möglichst gleichen oder vertretbar höheren finanziellen Förderung durch den Bund. Pro Jahr schüttet das BMI gegenwärtig mehr als 153 Millionen Euro für den Spitzensport aus.

Von einer Verstaatlichung des Spitzensports, wie sie nach dem BISp-Modell drohen könnte, war bisher keine Rede. Und auch nicht davon, dass dem DOSB nur noch die Aufgabe zukommen soll, in Abstimmung mit dem BMI insbesondere zuständig für die sportfachliche Steuerung und das Controlling der olympischen und nicht-olympischen Spitzenverbände zu sein.

In dem Papier mit der Überschrift Das BISp positioniert sich! wird zudem harsche Kritik an den sportwissenschaftlichen Einrichtungen Institut für Angewandte Trainingswissenschaft (IAT) in Leipzig und dem Forschungsinstitut für die Entwicklung von Sportgerät (FES) in Berlin geübt. Beide Institute forschen ausschließlich für die deutschen Sportverbände. Ihnen wird vorgeworfen, träge geworden zu sein. Außerdem verhindere ihre Monopolstellung laut BISp die Förderung bzw. Einbeziehung innovativer kreativer Wettbewerber und limitiert dadurch die Möglichkeiten eines potenziellen Wissensvorsprungs für den deutschen Spitzensport.

Studie auf der Homepage des BISp