Frankfurt/Main (dpa) - Fußball-Deutschland diskutiert intensiv über eine neue Struktur für den DFB und rätselt über mögliche Kandidaten für den vakanten Präsidentenposten.

Für den gescheiterten Verbandschef Reinhard Grindel geht es derweil nach seinem nationalen Amtsverlust um die Rettung seiner Posten bei FIFA und UEFA - und die Verhinderung juristischer Konsequenzen seines Verhaltens. Während die großen internationalen Verbände zu möglichen Ermittlungen noch schweigen, liegt der Fall auch bei Zoll und Staatsanwaltschaft. Konkrete Gespräche über Uhr-Geschenk und Zusatzeinkünfte wird schon am Mittwoch die DFB-Ethikkommission führen.

DIE DFB-ETHIKKOMMISSION:

Schon vor seiner Wahl zum DFB-Präsidenten forcierte Reinhard Grindel die Einführung einer Ethikkommission. Als das Gremium seine Arbeit im November 2016 aufnahm, freute er sich. "Wir setzen dabei darauf, dass wir in Zukunft in Ethikfragen von herausragenden externen Fachleuten beraten werden", sagte Grindel. Nun befassen sich die Ethikhüter des Deutschen Fußball-Bundes in ihrem ersten richtig großen Fall am Mittwoch mit dem Verhalten von Reinhard Grindel.

Der kommissarische Vorsitzende Nikolaus Schneider bestätigte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", das Gremium werde sich "mit der Berichterstattung über Herrn Grindel beziehungsweise den daraus entstehenden Fragen" beschäftigen.

Es dürfte also neben dem Uhr-Geschenk aus der Ukraine auch um Grindels Zusatzeinkommen über 78 000 Euro für den Aufsichtsratsposten bei einer DFB-Tochtergesellschaft gehen. Eine Strafe aussprechen kann die Ethikkommission nicht. Dafür ist im DFB nur das Sportgericht zuständig.

DIE STAATSANWALTSCHAFT:

Noch hält sich die Frankfurter Behörde zu konkreten Vorwürfen bedeckt. Aber ein Prüffall ist die Causa Grindel. Das bestätigte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Ende vergangener Woche. Konkret geht es um den Verdacht der "Veruntreuung von Verbandsvermögen". Explizit keine Rolle spielt die vom ehemaligen Funktionärskollegen Grigori Surkis geschenkte Luxus-Uhr.

Am Montag machte die Staatsanwaltschaft keine neuen Auskünfte. Auch nicht zu den 78 000 Euro Zusatzeinkünften, die Grindel als Chef einer DFB-Tochtergesellschaft erhielt. Diese Einnahmen hatte er offenbar nicht wie erforderlich dem Verbandspräsidium mitgeteilt. Er erhielt in diesem Zeitraum auch noch 7200 Euro Verdienstausfall und wie für den Posten üblich 7200 Euro Aufwandsentschädigung.

DER ZOLL:

Die Luxus-Uhr als Geburtstagsgeschenk von Grigori Surkis führte Grindel möglicherweise via Genf nach Deutschland ein. Dann hätte er sie beim Zoll deklarieren müssen. Bei seiner Rücktrittsrede kündigte Grindel an, dass er sein Versäumnis selbst anzeigen werde. Beim Hauptzollamt Frankfurt wollte man sich bei der Vorstellung der Bilanz 2018 am Montag nicht zu dem aktuellen Fall äußern.

Der Ärger mit Luxus-Uhren ist im Profi-Fußball kein Novum. Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge musste für aus Katar mitgebrachte Uhren nachträglich zahlen. Bei der WM 2014 bekamen mehrere Dutzend internationale Funktionäre von den Gastgebern in Brasilien eine Uhr eines Sponsors in einer Souvenirtüte. Die meisten gaben sie zurück.

DIE FIFA:

Am Montag war in Zürich Feiertag. In der FIFA-Zentrale hatte die Verwaltung frei. Neue Erkenntnisse über ein sehr wahrscheinliches Ermittlungsverfahren der Ethikkommission des Weltverbandes gegen Grindel gab es nicht. Das formal unabhängige Gremium hat seit der Neuordnung an der Spitze auch eine spärliche Informationspolitik. Die FIFA-Statuten legen eine Untersuchung wegen eines Interessenskonflikts zumindest nahe.

Dabei dürfte es im Kern um das Uhr-Geschenk und die Frage gehen, ob Grindel durch die Annahme sich in Abhängigkeit zu seinem ukrainischen Kollegen Surkis begeben hat. Möglich sind Geld- und Zeitstrafen.

Wird Grindel auch nur vorläufig suspendiert, kann er sein Amt im Council kaum fortführen. Auch sein DFB-Vorgänger Wolfgang Niersbach musste den Posten räumen, als gegen ihn im Zuge der Sommermärchen-Affäre auch bei der FIFA ermittelt wurde.

FIFA-Präsident Gianni Infantino würde das kaum missfallen. Grindel hat sich beim Weltverband als einer der größten Kritiker des Schweizers profiliert.

DIE UEFA:

Europas Fußball-Dachverband hat im Gegensatz zu DFB und FIFA keine reine Ethikkommission. Die Disziplinarkommission kümmert sich um Verstöße jeder Art - auch um moralische. Wie die FIFA hat die UEFA noch keine genauen Aktivitäten im Fall Grindel bekannt gemacht. In Nyon am Genfer See spielt man auch ein wenig auf Zeit und hofft - so hört man - auf einen Rücktritt des UEFA-Vize und Exekutivmitglieds.

Der würde dem UEFA-Chef Aleksander Ceferin einen für alle Seiten kompromittierenden Rauswurf ersparen. Grindel ist im Kontinentalverband nämlich nicht nur für Compliance und gutes Geschäftsgebaren zuständig. Er ist auch ein enger Verbündeter von Ceferin in den diversen Machtkämpfen mit FIFA-Boss Infantino. Der Verlust des Kompagnons würde den Slowenen in jedem Fall schmerzen.

Grindel auf DFB-Homepage

Grindel auf UEFA-Homepage