Zürich (dpa) - Eishockey-Weltverbandspräsident René Fasel hat erstmals eine mögliche Verlegung der Weltmeisterschaft in diesem Jahr ins Spiel gebracht und von einem "Plan B" gesprochen.

Für ihn gelte "ohne Wenn und Aber", dass "wir auf keinen Fall eine WM durchführen, die von politischen Kreisen instrumentalisiert wird, weder von der Regierung noch von der Opposition", sagte Fasel im Interview der Schweizer Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Die WM in diesem Jahr soll vom 21. Mai bis 6. Juni im lettischen Riga und im belarussischen Minsk stattfinden. Das deutsche Team bestreitet seine Vorrundenspiele in Riga. Seit Wochen wächst der Druck auf den Weltverband IIHF, Belarus das Turnier wegen der Machenschaften von Machthaber Alexander Lukaschenko wieder zu entziehen. "Das wäre das größte PR-Geschenk für Lukaschenko und ein verheerendes Signal an die Demonstrierenden. Ich hoffe, dass auch die Organisatoren das einsehen", hatte zuletzt bereits Deutschlands Außenminister Heiko Maas (SPD) der Funke-Mediengruppe gesagt.

Lukaschenko steht wegen schwerer Verbrechen gegen die Menschlichkeit international in der Kritik. Die EU erkennt ihn seit der als gefälscht eingestuften Präsidentenwahl vom 9. August nicht mehr als Präsidenten an. Bei Protesten gegen Lukaschenko gab es seit August mehr als 30.000 Festnahmen, hunderte Verletzte und zahlreiche Tote.

Belarus steht auch wegen mangelnder Corona-Schutzmaßnahmen in der Kritik. Fasel hatte zuletzt mit dem Hinweis auf die finanziellen Folgen vor einer WM-Verlegung gewarnt. Anfang der Woche war es zu einem viel kritisierten Treffen zwischen Fasel und Lukaschenko in Minsk gekommen. "Wir führten ein hartes Gespräch und machten ihm klar, dass die WM nicht in Weißrussland stattfinden kann, wenn es so weiter gehe", sagte der 70 Jahre alte Schweizer nun.

Das Exekutivkomitee der IIHF will am 25. und 26. Januar noch einmal über die umstrittene WM beraten. "Wir haben seit vergangenem Herbst einen Plan B", sagte Fasel. Demnach könnte das gesamte Turnier in Riga stattfinden. Alternativ hätten die Slowakei und Dänemark ihr Interesse signalisiert.

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Fasel-Aussagen auf IIHF-Homepage