Paris (dpa) - Gut drei Wochen nach Bekanntwerden von Missbrauchsvorwürfen im Eiskunstlauf hat die französische Regierung einen Aktionsplan zur Bekämpfung sexueller Gewalt im Sport vorgelegt.

Es werde künftig eine Beauftragte des Ministeriums für diese Fälle geben, erklärte Frankreichs Sportministerin Roxana Maracineanu nach einer Versammlung in Paris, an der Politiker, Experten und Vertreter von Sportverbänden teilnahmen, auf Twitter. Auch ein nationales Register für Sportverbände werde eingeführt.

Zudem werde geprüft, eine Art Führungszeugnis ("contrôle d'honorabilité") auch in allen Verbänden und Vereinen für Freizeitsport obligatorisch für die Mitarbeiter zu machen, erklärte Maracineanu. Dies sollte zunächst im französischen Fußballverband getestet werden. Die Ministerin kündigte außerdem verpflichtende Schulungen zu Ethik und Integrität an. Kinder müssten besser als in der Vergangenheit geschützt werden, schrieb Maracineanu auf Twitter. "Wir haben uns zusammengefunden, um den Opfern sexueller Gewalt zu sagen, dass sie nicht mehr allein sind."

Die Worte von Betroffenen müssten gehört werden, betonte die französische Gleichstellungsministerin Marlène Schiappa, die ebenfalls an der Versammlung teilnahm. Die Unschuldsvermutung müsse dabei respektiert werden, sie dürfe aber nicht als Ausrede verwendet werden, nichts zu tun, sagte Schiappa. "Ich glaube, dass das Vorsorgeprinzip in diesem Bereich Vorrang haben sollte, insbesondere wenn Kinder beteiligt sind."

Die schweren Missbrauchsvorwürfe der ehemaligen französischen Eiskunstläuferin Sarah Abitbol gegen ihren Ex-Trainer hatten ein Beben in der französischen Sportwelt ausgelöst. Die heute 44-Jährige wirft ihrem ehemaligen Coach vor, sie Anfang der 1990er-Jahre als Jugendliche mehrfach vergewaltigt zu haben. Im Zuge dessen wurden auch Missbrauchsvorwürfe von anderen Eiskunstläuferinnen bekannt - auch Fälle aus anderen Sportarten wie Schwimmen wurden öffentlich. Der Präsident des Eissportverbands, Didier Gailhaguet, trat von seinem Amt zurück.

Die Pariser Staatsanwaltschaft hatte Anfang Februar Vorermittlungen im Fall Abitbol eingeleitet. Mit den Vorermittlungen sollten auch weitere mögliche Opfer identifiziert werden.

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