Berlin (dpa) - 50 Prozent mehr Bundesliga-Spiele im frei empfangbaren Fernsehen - das hört sich zunächst einmal gut an. Tatsächlich handelt es sich aber nur um drei zusätzliche Fußballpartien, die ab der Saison 2021/22 im Free-TV laufen könnten.

Die beiden Relegationsspiele zwischen 1. und 2. Liga sowie der Zweitliga-Auftakt sollen in der kommenden Rechteperiode nicht mehr für Pay-TV-Anbieter ausgeschrieben werden. Das hatte zuerst das Fachmagazin "Sponsors" berichtet und wurde nun von DFL-Chef Christian Seifert in der "Bild am Sonntag" indirekt bestätigt: "Die Anzahl der Spiele im Free-TV wird bei der nächsten Ausschreibung größer sein."

Derzeit sind drei Erstligaspiele, die Relegation zwischen 2. und 3. Liga sowie der Supercup im Free-TV zu sehen. Drei weitere Partien, das ist nicht viel - vor allem vor dem Hintergrund, dass es bis 2017 montags Zweitliga-Spiele beim Free-TV-Sender Sport1 gab. Insofern wirkt der nun geplante Zuwachs bescheiden und wie eine Beruhigungspille für die Fans.

Drei weitere Live-Spiele im Free-TV versprechen auch ein bisschen mehr Geld. Aber der große Zuwachs soll wieder aus dem Bezahl-Bereich kommen. "Den großen Schub gibt es erst, wenn Konzerne aus den USA oder Asien einsteigen", hatte Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge noch im Juli gesagt: "Aber ich kann nicht sagen, wann das sein wird." Knapp fünf Monate später war es dann schon soweit, als der US-Riese Amazon in den deutschen TV-Markt einstieg und erstmals Champions-League-TV-Rechte kaufte.

Auch die Telekom investierte zuletzt wieder kräftig, erwarb überraschend die EM-Rechte 2024. Die Liga darf sich also auf ein Wettbieten von Sky, DAZN und neuen Pay-Anbietern freuen, wenn sie demnächst ihre Ausschreibung beginnt. Der Termin dafür steht noch nicht fest, die DFL will den Verkaufsprozess aber möglichst vor dem EM-Beginn im Juni abgeschlossen haben.

Gladbach-Manager Max Eberl hat sich für eine Mischung aus Free- und Pay-TV ausgesprochen. "Es ist immer schön, wenn das Free-TV Fußballspiele zeigt", sagte Eberl am Montag: "Aber wir haben doch alle Kinder. Und für die werden diese Sachen wie DAZN alltäglich. Wir laufen da auf eine Kreuzung zu, an der es heißt, das Free-TV mitzunehmen, aber auch die neuen Facetten zuzulassen."

4,64 Milliarden Euro aus dem Vertrag von 2017/18 bis 2020/21 sind zu übertreffen. Zahlen muss dafür am Ende der Fan, schließlich investieren die Medien-Unternehmen, um Geld zu verdienen. Wie sich der Medienmarkt verändert hat, ist zuletzt bei der Champions League deutlich geworden. Sie ist von 2021 an - bis auf das Endspiel im ZDF - nur für die Kunden von DAZN und Amazon im Internet zu sehen.

DFL-Geschäftsführer Seifert will ein Abo-Chaos für die Bundesliga-Fans vermeiden. Der "Welt am Sonntag" hatte er gesagt: "Wenn man drei Abos benötigt, um die Bundesliga komplett zu konsumieren, würde das die Schwelle des Erträglichen aus unserer Sicht stark strapazieren."

Seifert wies aber auch darauf hin, dass die Liga nicht alleine über die Rechtevergabe entscheide: "Die Auktion findet unter Aufsicht des Kartellamtes statt. Dortige Vorgaben berücksichtigen wir, und eine davon ist, dass eine Auktion offen für viele Bieter und damit auch ergebnisoffen ist."

Nach der von "Sponsors" veröffentlichten und von der DFL nicht bestätigten Ausschreibung könnte es theoretisch so sein, dass ein Unternehmen alle Bezahl-Rechte erwirbt. Es könnte aber auch anders kommen, denn es gibt nach Angaben des Fachmagazins vier verschiedene Live-Rechte-Pakte für die Pay-Verwertung. Da wären drei Spiele mehr im Free-TV ein schwacher Trost.

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