Halle/Saale (dpa) - Diskus-Olympiasiegerin Ilke Wyludda sieht die Entwicklung im deutschen Behindertensport kritisch und hat dem Verband nach dem Ende ihrer Para-Karriere ihre Mithilfe angeboten.

"Wenn man auf mich zukommen würde, würde ich das nicht als negativ empfinden", sagte die 50-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. "Der Behindertensport ist das Stiefkind des Sports, vor allem in Deutschland", erklärte Wyludda. "Der Athlet steht das ganze Jahr über alleine da. Zum Jahres-Höhepunkt, wenn es um die Medaillen geht, gibt es viele Federn. Aber auf dem Rückflug ist das schon vergessen." Zudem gebe es zu viele "Querelen und Macht-Streitigkeiten", die Athleten würden zu wenig gefördert.

Friedhelm Julius Beucher, der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes, greift das Angebot gerne auf. "Ich würde mich freuen, wenn sie mit ihrer Fachkompetenz als Weltklasse-Sportlerin und Ärztin unsere Verbandsarbeit unterstützen würde. Wir brauchen im Zuge unserer Professionalisierung Fachkompetenz", sagte er der dpa. Und ergänzte mit einem Augenzwinkern: "Verbandsarbeit kann aber schwieriger sein als Training."

Wyludda war 1996 in Atlanta Olympiasiegerin im Diskuswurf geworden. Nach der Amputation ihres rechten Beins startete sie eine Karriere im Behindertensport. Sie nahm an den Paralympics 2012 teil, gewann Bronze bei der EM 2014, dazu Silber mit der Kugel bei der EM und WM.

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