Lausanne (dpa) - Für den russischen Whistleblower Witali Stepanow sind Sportbetrüger anscheinend geduldete Mitglieder der olympischen Bewegung. Diese habe eine komplizierte Struktur und sei nur schwer zusammenzuhalten.

"Und ich denke, manchmal, um sicherzustellen, dass sie zusammenhält, muss man offenbar eben auch Betrügern gestatten, Teil dieser olympischen Bewegung zu sein", sagte der frühere Mitarbeiter der russischen Anti-Doping-Agentur in einem Interview von "sportschau.de".

Es scheine, "dass die Leute, die die olympische Bewegung leiten, so denken - wahrscheinlich basierend auf ihren eigenen Erfahrungen, die sie in der olympischen Bewegung über viele, viele Jahre oder Jahrzehnte gemacht haben", sagte Stepanow.

Er und seine Frau Julia Stepanowa, die als frühere Weltklasseläuferin selbst gedopt hatte, halfen mit ihrem Insiderwissen, die staatlich geförderten Dopingpraktiken in Russland offenzulegen. Der Internationale Sportgerichtshof verkündet an diesem Donnerstag (16.00 Uhr) das Urteil zum Einspruch Russlands gegen den vierjährigen Olympia-Ausschluss durch die Welt-Anti-Doping-Agentur.

Laut Stepanow bemühe sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) jetzt um einen sauberen Sport. "Ich habe auch beim IOC-Präsidenten gespürt, dass er wirklich versucht, dass alles funktioniert, dass der Sport so fair und so sauber wie möglich ist", sagte Stepanow. IOC-Präsident Thomas Bach müsse aber auch "immer im Hinterkopf behalten, dass sie Geld brauchen, um die olympische Bewegung zu organisieren. Also geht es nicht nur um Ethik und Fairness, es geht auch um die Existenz und für die Existenz braucht man Geld."

Stepanow hofft, dass zukünftig "die olympischen Strukturen mit den Anti-Doping-Strukturen besser auf den nächsten Betrüger vorbereitet sind und dass sie mit diesen Betrügern schneller fertig werden können".

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WADA-Mitteilung vom April

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