Die Geschichte des Tattoos

Die Geschichte des Tattoos reicht weit zurück. Als ältester Fund eines Menschen mit Tattoo gilt die 5300 Jahre alte Gletschermumie Ötzi. Diese besitzt 61 Tätowierungen; der Großteil davon sind geometrische Figuren, Linien und Punkte.

Dabei waren Tattoos seinerzeit nicht nur alleiniges Schmuckmittel, sondern wurden Vermutungen zufolge vor allem zu therapeutischen Zwecken eingesetzt.

Von den eisenzeitlichen Skythen, einem Reitervolk der russischen Steppe und des Kaukasus, sind besonders auffällige und großflächige Tätowierungen bekannt.

Die Verbreitung christlich-religiöser Tätowierungen erfolgte im europäischen Mittelalter. Weil sie am ganzen Körper mit religiösen Tattoos geschmückt war, erlangte ein deutsches Mädchen Bekanntheit.

Stendal l Der Raum ist in schummriges Licht getaucht. Nur eine kleine Lampe spendet Nico Tietz Licht. Er setzt die Tätowiernadel an. Surrend graviert er damit einen Schriftzug auf den Fuß seiner Kundin ein.

Heute ist das Konstanze Drewlo. Die 42-jährige ließ sich all ihre Tattoos bei ihm stechen. Ein anderer Tätowierer käme für sie nicht in Frage: „Bei anderen weiß man nie, was man bekommt. Mit Nicos Arbeit bin ich immer sehr zufrieden.“

Persönlichkeit nach außen tragen

Der 47-jährige ist der Inhaber des „Bloody Bucket Tattoo Shops“ in Stendal. Obwohl er es „eigentlich nie werden wollte“. Als er sich im Alter von 27 Jahren in Brandenburg sein erstes Tattoo stechen ließ, kam er mit seinem heutigen Beruf erstmalig in Berührung.

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Seine damalige Tätowiererin hatte Probleme mit dem Tätowiergerät und wusste sich nicht zu helfen, sodass er ihr seine Hilfe anbot. Von da an kam der gebürtige Stendaler regelmäßig in ihren Laden, um ihr bei Reparaturarbeiten zur Hand zu gehen. Irgendwann dachte er sich: „Das kann ich besser“ und eröffnete 2000 schließlich sein eigenes Geschäft, da er an der Arbeit Gefallen gefunden hatte.

„Davon kann man nicht leben“ war die Reaktion, die er von Familie und Freunden erhielt. Dennoch ließ er sich nicht von seinem Weg abbringen. Heute hat er eine Frau, zwei Kinder, Haus und Auto und somit bewiesen, dass es sich sehr wohl von diesem Beruf leben lässt.

Trotzdessen werden er und seine Kunden noch immer mit Vorurteilen in Verbindung gebracht. Gerade die ältere Generation halte Tätowierte häufig für kriminell oder fühle sich von ihnen eingeschüchtert. „Die, die am gruseligsten aussehen, sind meist die Nettesten“, meint Tietz dazu.

Den meisten ginge es darum, ihre Persönlichkeit nach außen zu tragen und ihre Individualität auszuleben. Oft sei die Bindung zu einem geliebten oder verstorbenen Menschen Anlass für eine Tätowierung. Häufig wünschten die Kunden dann einen Schriftzug mit dem Namen der jeweiligen Person.

Von einem Tattoo als Liebesbeweis rät Nico Tietz allerdings ab: „Man braucht kein Tattoo, um jemanden von seiner Liebe zu überzeugen.“ Außerdem ließe sich so eine Tätowierung im Falle einer Trennung nur schwer beseitigen. Aufwendige Verfahren wie die Entfernung durch eine teure Laserbehandlung oder das Übertätowieren mit einem anderen Motiv sind der einzige Ausweg.

Sich ein Tattoo stechen zu lassen, nur um mit einem Modetrend zu gehen, hält Tietz für unsinnig. Es bestünde die Gefahr, schnell den Gefallen am eigenen Tattoo zu verlieren. Auch warnt er vor dem Suchtpotenzial, das Tattoos mit sich bringen. Nach den überstandenen Strapazen empfinde man ein Gefühl des Stolzes und sei eher dazu motiviert, noch weitere Tattoobehandlungen über sich ergehen zu lassen.

Einfühlungsvermögen und Flexibilität

Auf die Frage, was er an seinem Beruf am meisten schätze, betont Tietz die Abwechselung. Jeden Tag begegnen ihm viele unterschiedliche Menschen mit ihrer ganz eigenen Geschichte. Manche reden viel, andere sind schüchtern oder nervös. Täglich sticht er ungefähr acht bis zehn Tattoos, die alle mit einer persönlichen Note versehen sind.

Einen guten Tätowierer macht in Tietzes Augen vor allem das Einfühlungsvermögen in den Kunden aus. Viele Leute kommen nämlich ohne eine genaue Vorstellung in seinen Laden und lassen sich erst einmal beraten. Dabei sei außerdem eine gewisse Flexiblität in den Motiven wichtig, um die Wünsche der Kunden berücksichtigen zu können. .

Besonders beliebt seien zurzeit Blumen und Schädel. Eine saubere Arbeitsweise und die Einhaltung der vom Gesundheitsamt aufgestellten Hygienerichtlinien sind die Grundlage für eine erfolgreiche Karriere als Tätowierer. Der Preis für ein Tattoo richtet sich hauptsächlich nach Arbeitsaufwand und -stunden. Deshalb kann man zu der Frage „Wieviel kostet so ein Tattoo eigentlich?“ keine genauen Angaben machen

Negative Aspekte findet er in seinem Beruf kaum, nur „die Steuern nerven“. Hin und wieder besuchen ihn auch weniger angenehm riechende Kunden, die schickt er dann auch schonmal zum Duschen nach Hause, damit er sich bei seiner Arbeit konzentrieren kann.

Den Beruf gewählt zu haben, bereut Nico Tietz aber keinesfalls. Könnte er die Zeit nochmal zurückdrehen, würde er genau denselben Weg wieder einschlagen.