Paris (dpa) - Auch eine Dreiviertelstunde nach ihrer Schmach von Paris wirkte Angelique Kerber noch ratlos. "Es ist ein ganz komisches Jahr, es ist ein ganz anderes Jahr", sagte Kerber nach dem blamablen 3:6, 3:6 in der erste Runde der French Open gegen die erst 19 Jahre alte Slowenin Kaja Juvan.

Womit die laut Ranking immer noch beste deutsche Tennisspielerin mit Blick auf die Coronavirus-Pandemie auf jeden Fall recht hat. Das Virus hat die ganze Welt aus den Fugen gebracht und auch dem Sport noch nie da gewesene Herausforderungen aufgebürdet. Eine Erklärung für Kerbers rätselhaften Auftritt im Stade Roland Garros kann er aber nicht sein.

Vom ersten Moment an, an dem Kerber am Montagabend nach quälend langer Warterei gegen 20.00 Uhr den Court 14 betrat, hatte man den Eindruck, dass Kerber überall lieber sein würde - nur nicht auf diesem Tennisplatz. Völlig ohne Gegenwehr und fast schon lustlos ließ die 32-Jährige die Partie über sich ergehen. Danach schnell noch ein paar Fragen der Presse - und weg war die Gewinnerin von bislang drei Grand-Slam-Turnieren.

Im Vorfeld hatte sie noch gesagt, dass sie sich auf die French Open, die sie als einziges der vier Grand Slams noch nicht gewonnen hat, freue. Und dass sie im Training nach der klaren Erstrunden-Niederlage beim Turnier in Rom gut in Form gewesen sei. Von beidem war gegen die frech aufspielende Slowenin nichts zu sehen. Und ohne Lust und Leistung reicht es nun einmal gegen keine Gegnerin der Welt. "Ich bin ein bisschen schockiert", räumte Deutschlands Damen-Chefin Barbara Rittner als TV-Expertin bei Eurosport ein. Kerber habe überhaupt kein Konzept gehabt, zu Punktgewinnen zu kommen.

Wie es mit ihr nun weitergeht, wusste Kerber selbst noch nicht. Die Damen-Organisation WTA hat bislang für die Zeit nach den French Open bis Jahresende nur noch zwei Turniere im Kalender. Für die Ostrava Open vom 19. bis 25. Oktober hat die Kielerin gemeldet, im Dezember soll es dann noch ein Turnier in Limoges und eventuell eines in Linz geben. "Die Herren haben noch einige große Turniere, bei uns sieht es ganz anders aus. Ich nehme, was sie uns geben und das ist momentan nicht so viel", sagte Kerber über ihre weiteren Pläne.

Vielleicht kommt sie aber auch zu dem Entschluss, dass ihr das Tennis so, wie es wegen der Corona-Krise im Moment ist, keinen Spaß macht. Leben in der Blase, keine oder kaum Zuschauer und dann auch noch das schlechte Wetter von Paris. Das alles schien Kerber nicht zu behagen.

Unmittelbar nach dem Neustart hatte sie mit dem Achtelfinal-Einzug bei den US Open noch ein positives Zeichen gesetzt. Kerber wirkte gelöst, die Zusammenarbeit mit ihrem alten, neuen Trainer Torben Beltz schien erste Früchte zu tragen. Doch in Paris machte Kerber eher wieder einen Eindruck wie 2017 und 2019, als sie nach Jahren mit Grand-Slam-Triumphen wenig Freude am Tennis verkörperte. Und dann wäre eine Pause bis zum Beginn des neuen Jahres wohl das Beste.

© dpa-infocom, dpa:200929-99-753829/2

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