Mainz (dpa/tmn) - Ob quietschend, brummig wie ein Bär oder lispelnd - Kinder lieben es, wenn Eltern beim Vorlesen jedem Charakter eine andere verstellte Stimme geben. Was können Eltern noch tun, um spannende Vorleser zu werden? Daniel Schnock von der Stiftung Lesen erklärt, wie es geht.

Wie kann ich mein Kind an das Buch fesseln?

Daniel Schnock: Schon beim Aussuchen von Büchern ist es wichtig, Titel zu wählen, die Eltern selbst mögen. Denn ob sie Spaß an dem Thema haben, merkt das Kind. So kann der eine vielleicht etwas rund um den Fußball vorschlagen, der andere eben eine Abenteuer-Geschichte. Begeisterung für etwas steckt an.

Gibt es Tricks, die Spannung zu erhöhen?

Schnock: Man kann Geräusche miteinbeziehen, etwa mit der Bettdecke rascheln. Oder wenn es in der Geschichte rumms macht, kann man ruhig mal mit dem Fuß stampfen oder mit der Hand auf den Tisch hauen. Auch Fragen sind erlaubt. Man kann ruhig mal erstaunt fragen: Was ist denn da passiert? Wie würdest du denn in solch einer Situation reagieren? Man kann auch das Gute-Nacht-Kapitel abschließen mit einer Frage wie: Mal sehen, was die Prinzessin morgen macht? Bevor man am nächsten Tag weiterliest, kann man das Kind fragen: Was war noch mal passiert?

Was, wenn das Kind zum gefühlt 500. Mal seine Lieblingsgeschichte vorgelesen bekommen möchte - sollte man die Charaktere mal anders sprechen?

Schnock: Das wird das Kind schon sagen. Möglich, dass es das lustig findet. Aber man muss damit rechnen, dass es sofort protestiert und sagt "Neiiiiin, so nicht" oder enttäuscht reagiert "Das war aber das letzte Mal besser".

Vorlesestudie

Vorlesetag

Studie: Ein Drittel der Eltern liest Kindern nicht regelmäßig vor

Knapp ein Drittel der Eltern von Zwei- bis Achtjährigen in Deutschland vernachlässigt laut einer Studie das Vorlesen. 32 Prozent von insgesamt 700 befragten Müttern und Vätern geben an, ihrem Kind höchstens einmal pro Woche oder nie vorzulesen. Das geht aus der Vorlesestudie 2019 von Stiftung Lesen, der Wochenzeitung "Die Zeit" und der Deutsche Bahn Stiftung hervor, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Demnach lesen besonders Eltern mit niedriger Bildung zu selten vor.

Die Experten empfehlen, dem Nachwuchs täglich 15 Minuten vorzulesen. Auch Bilder in einem Buch anzuschauen und Geschichten dazu zu erzählen oder sich gemeinsam mit einem Wimmelbuch ohne Text zu beschäftigen zähle zum Vorlesen. Die Tätigkeit sei nicht an das gedruckte Buch gebunden, möglich sei das auch aus Apps oder vom E-Reader, hieß es. Kinder profitieren laut Stiftung Lesen in vielerlei Hinsicht, wenn ihnen regelmäßig vorgelesen wird: Unter anderem falle das Lesenlernen leichter.