Wedel (dpa) - Georg Baselitz (79) ist berühmt für seine "auf dem Kopf" stehenden Bilder. Von Anfang an hat der Künstler sein malerisches Werk kontinuierlich auch durch Druckgrafik und Zeichnungen ergänzt.

Unter dem Titel "Gebrochene Helden" zeigt das Ernst Barlach Museum im schleswig-holsteinischen Wedel vom 26. März bis zum 10. September rund 100 Radierungen, Holz- und Linolschnitten aus verschiedenen Serien, die einen Einblick in sein grafisches Schaffen aus zwei Jahrzehnten geben. "Seine gebrochenen Helden sind Männer, die nicht wissen, wohin sie gehören, die Orientierung, aber auch Sinn und Ordnung verloren haben, die nichts mehr zu tun, die nichts mehr zu sagen haben", sagte der Kurator Jürgen Doppelstein am Donnerstag in Wedel.

Dies komme in den ausgewählten Werken fast noch pointierter zum Ausdruck als in den malerischen und zeichnerischen Vorbildern der 1960er Jahre. "Für Baselitz drückt sich in der Druckgrafik eine völlig selbstständige künstlerische Ambition aus, die sich durchaus auch als Verschlüsselung oder Codierung der ursprünglichen Bildmotive beschreiben lässt", sagte Doppelstein. Bereits in den 1960er Jahren nutzte Baselitz die Materialität und Ästhetik der druckgrafischen Techniken, um Motive seiner gemalten Bilder in eine neue Zeichensprache zu übersetzen.

In den 60er Jahren arbeitete der Künstler vor allem mit dem Holzschnitt, in den 70er Jahren entstanden großformatige Linolschnitte und von 2005 an seine "Remix-Arbeiten", in denen er einzelne seiner klassischen Werke neu formulierte. So ist auch "Die große Nacht im Eimer" als Remix zu sehen. Das Werk löste 1963 einen Eklat aus, weil es einen Jungen beim Masturbieren zeigt.

Ernst Barlach Museum