Göttingen (dpa) - Den Verlust seines Roten Trikots konnte Pascal Ackermann mit einem Lächeln im Gesicht gut verschmerzen.

Einen Tag nach seinem dominanten Auftaktsieg in Halberstadt wurde der beste deutsche Sprinter auf der zweiten Etappe der Deutschland Tour um mehrere Minuten abgehängt und büßte damit seine Gesamtführung ein. "Es war ein geiles Feeling und es war eine super Motivation. Wir werden es nochmal versuchen. Wir geben uns noch nicht geschlagen", berichtete Ackermann im ZDF über seinen Tag im Roten Trikot, das am Samstag der norwegische Tagessieger Alexander Kristoff tragen darf.

Auf den 202 Kilometern von Marburg nach Göttingen hatte sich der 32 Jahre alte Routinier behauptet und im Schlusssprint vor Sonny Colbrelli und Yves Lampaert durchgesetzt. Der Star des Tages war jedoch ein anderer: Remco Evenepoel. Der 19 Jahre junge Belgier verblüffte die Radsport-Welt einmal mehr mit einem furiosen Solo, das nach 99 Kilometern erst kurz vor dem Ziel endete. "Er ist superstark, großen Respekt vor ihm", lobte auch Ackermann, der den Angriff von Evenepoel schon "gar nicht mehr gesehen" hatte, wie er erzählte.

Der Deceuninck-Quick-Step-Profi feierte im August einen beachtlichen Aufstieg. Vor seiner beeindruckenden Flucht auf der Deutschland-Tour hatte er die Konkurrenz bereits beim Eintagesrennen Clásica San Sebastián und beim Zeitfahren der Straßenrad-EM mit Siegen verblüfft. In Anlehnung an den fünfmaligen Tour-Sieger Eddy Merckx wird das Riesentalent in Belgien schon "der kleine Kannibale" genannt.

"Ob Evenepoel mein Nachfolger ist? Er könnte besser sein als ich. Remco hat alle Qualitäten, um es zu schaffen", sagte Merckx jüngst in der Nachrichtensendung "VTM NIEUWS". Die Solo-Attacke nach Göttingen wirkte jedenfalls angsteinflößend - umso mehr, weil sie von einem 19-Jährigen kam. Der zurückgetretene Marcel Kittel lobte im ZDF: "Man muss keine Kristallkugel mehr haben, um zu sagen, dass er seine Generation und diese Sportart prägen wird. Das ist ein absoluter Hammer." Der Begriff "Jahrhunderttalent" fällt schon jetzt immer wieder in der Radsport-Szene.

Auf der eigentlich als flach und machbar eingeschätzten Etappe wurde von Anfang an wie wild attackiert. Zunächst lag eine 25-köpfige Gruppe an der Spitze, darunter auch Rot-Träger Ackermann sowie der Tour-Vierte Buchmann und Frankreichs Liebling Julian Alaphilippe. Doch das Feld jagte hinterher und stellte die Gruppe relativ zügig wieder. Mit dem davonrasenden Evenepoel hatten sie weit mehr Mühe und holten ihn erst neun Kilometer vor dem Ziel ein. Dann kam es zum erwarteten Schlusssprint.

Am Samstag (13.15 Uhr) steht erneut eine anspruchsvolle Etappe auf dem Programm. Das dritte Teilstück von Göttingen nach Eisenach dürfte vor allem den Klassikerspezialisten wie Alaphilippe oder dem Hürther Nils Politt entgegenkommen. Der Tour-Gesamtsieg ist noch immer vollkommen offen.

 

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