Berlin (dpa) - Jahrelang war Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) auf der Suche nach einem weltweit renommierten Aushängeschild für das geplante Humboldt-Forum in Berlin. Ein Kaliber vom Schlage des noch amtierenden Gründungsintendanten und britischen Museumslieblings Neil MacGregor sollte es mindestens wieder sein.

Nun wird es Hartmut Dorgerloh, Schlösserchef für Berlin und Brandenburg in Potsdam. Kleine Brötchen statt großer Wurf? Die ersten Reaktionen sind gleichwohl bestens. "Mit großer Begeisterung" stehe er hinter Grütters Personalvorschlag, sagte Neil MacGregor am Mittwoch bei einer Ausstellungseröffnung in der Humboldt-Box. "Er kennt aus dem FF das Labyrinth der deutschen föderalen Demokratie und kennt sich im freundlichen Dschungel der Berliner Kulturpolitik sehr gut aus."

Mit feinem britischen Humor hat der 71-jährige frühere Chef des British Museum in London damit genau das Minenfeld skizziert, auf dem der künftige "Generalintendant" sich bewegen muss. Nicht umsonst hat MacGregor selbst Grütters einen Korb gegeben, die ihn gern über die Gründungsintendanz hinaus an der Spitze des hochambitionierten Projekts gesehen hätte.

Und nicht umsonst standen auch andere internationale Museumsgrößen nicht gerade Schlange für den Job - obwohl die Staatsministerin das Humboldt-Forum gern als "größtes Kulturvorhaben Europas" anpreist. Für 600 Millionen Euro wird dafür bis zum nächsten Jahr die einstige Hohenzollern-Residenz in der Mitte Berlins wiederaufgebaut. Vor allem Kunst aus Afrika, Asien und Übersee soll hier zu sehen sein.

Doch schon seit langem blockieren Engstirnigkeit, Eifersüchteleien und Kompetenzgerangel den großen Aufbruch. So fürchtete die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, der größte künftige Nutzer des Hauses, den Zugriff auf die eigenen Sammlungen zu verlieren. Das Land Berlin, neben der Humboldt-Universität dritter Nutzer, lehnte die von Grütters gewünschte Leitung "aus einem Guss" gar ganz ab und handelte sich einen Sonderstatus aus.

Dorgerloh ist nach Einschätzung von Beteiligten nun gerade der richtige Mann für diese Empfindlichkeiten. Seit fünfzehn Jahren leitet er die vom Bund mitgetragene Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg mit ihren mehr als 550 Mitarbeitern, 750 Hektar Parkanlagen und 30 Museumsschlössern.

Hier konnte er reichlich Erfahrung im Spagat zwischen Bund und Ländern sammeln. Und auch mit dem schwierigen Machtgefüge der befreundeten Preußenstiftung ist er bestens vertraut. Dass der 55-Jährige nicht blauäugig in das Amt stolpert, machte er mit dem Hinweis deutlich, er habe die Entscheidung nach "reiflicher Überlegung" getroffen.

"Supersache", lobt der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, Olaf Zimmermann. "Was Dorgerloh wirklich kann und was bisher gefehlt hat: Er ist ein Kommunikator. Er hat kein heruntergelassenes Visier. Mit ihm kann man debattieren, diskutieren, aber auch mal streiten."

Und selbst die Kunsthistorikerin Prof. Bénédicte Savoy, die im vergangenen Jahr eine heftige Debatte über den Umgang mit dem kolonialen Erbe im Humboldt-Forum ausgelöst hatte, ist hochzufrieden. Dorgerloh sei ein erfolgreicher Museumsprofi, aber auch ein großer Menschenkenner, sagte sie der dpa. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass sich das Humboldt-Forum unter seiner Leitung positiv entwickeln wird."

Schon vor wenigen Tagen hatte die Preußenstiftung ein weiteres Personalproblem gelöst. Nachdem die international renommierte Stuttgarter Museumsmanagerin Inés de Castro überraschend als Sammlungsleiterin abgesprungen war, gibt es nun eine Hausbesetzung. Der bisherige Abteilungsleiter im Ethnologischen Museum, Lars-Christian Koch, soll den Posten übernehmen.

Auch ein kleineres Brötchen. Aber vielleicht tut dem hochfliegenden Projekt ja ein bisschen Bodenhaftung auch nicht schlecht. Für Grütters dürfte nun vor allem zählen, dass wieder Ruhe in die Debatte einkehrt und die Beteiligten sich auf die inhaltliche Arbeit konzentrieren: Ende 2019 soll das Mammuthaus öffnen, viele inhaltliche Fragen sind noch offen.