London (dpa) - Die britische Oscar-Preisträgerin Helen Mirren ("Die Queen") sieht die Demokratie noch ganz am Anfang ihrer Entwicklung. "Demokratie ist unglaublich wichtig und ein wunderbares System. Ich habe das Gefühl, es steckt noch in den Kinderschuhen", sagte die 74-Jährige der Deutschen Presse-Agentur in London.

"Aber eines der Probleme der Demokratie - und ich glaube, das sehen wir gerade in der amerikanischen und britischen Politik - ist, dass Kongressabgeordnete oder Parlamentarier ihre Macht nicht mehr verlieren wollen, wenn sie erstmal auf den Geschmack gekommen sind."

Politiker würden deshalb "fast alles tun und sagen, um sicherzugehen, dass sie wieder gewählt werden", sagte Mirren. "Und das ist die Gefahr, denn es gibt Menschen, die ihren moralischen Kompass verlieren, um ihren eigenen Ambitionen zu folgen."

Zuletzt sei das auch in ihrer Heimat zu beobachten gewesen, sagte Mirren und kritisierte, "dass bestimmte Politiker hier in Großbritannien (...) sich nicht für das einsetzen, was sie für moralisch und philosophisch richtig halten."

Die Briten wählen am 12. Dezember ein neues Parlament. Premierminister Boris Johnson hofft, damit die Mehrheitsverhältnisse zu seinen Gunsten zu verändern, um anschließend seinen Brexit-Kurs durchsetzen zu können. Der Austritt Großbritanniens aus der EU wurde bereits dreimal verschoben. Momentan ist er spätestens zum 31. Januar 2020 geplant. Andere Parteien haben sich dafür ausgesprochen, den Brexit noch zu verhindern oder ein zweites Referendum auszurufen.