Berlin/Hamburg (dpa) - Output, Output, Output! Rapperin Haiyti hat Hip-Hop-Deutschland zuletzt mit einem Release-Dauerfeuer überzogen: 2018 das Major-Debüt "Montenegro Zero" und der Echo-Kritikerpreis; 2019 der Nachfolger "Perroquet" und ein aufsehenerregender Videodreh in einer Villa auf Ibiza, wo sich zuvor ein gewisser österreichischer Politiker um Kopf und Kragen geredet hatte.

2020 macht die Hamburgerin keine Corona-Pause - sondern hat das nächste Trap-Brett schon im Anschlag. Und das ist in ihren Augen noch fast zu behäbig: "Für 'Sui Sui' lagen Songs teilweise ein Jahr rum", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Das habe sich überhaupt nicht gut angefühlt - sie sei so aber auch in einen anderen Arbeitsmodus gekommen. Für das Album habe sie mehr Songs verworfen als je zuvor. Und: "Ich mache mir Gedanken über Melodien. Das ist völlig neu für mich."

Das führt dazu, dass "Sui Sui" für ein Haiyti-Album erstaunlich aufgeräumt wirkt. Statt mit schrillen Tönen um sich zu werfen, flowt die Rapperin lässig über basslastige Trap-Beats ("Bentley", "Blizzard") und fast schon in Dancehall mündende Reggaeton-Anleihen ("La la land", "Paname"). Autotune und Haiyti-typische Adlips ("Uargh!") natürlich immer inklusive.

Inhaltlich lehnt sich Haiyti gerne an den Gangster-Rap an. Da wird geschossen, mit dicken Autos durchs Barrio gecruist und fleißig Geld gezählt. Verweise auf die "street credibility" der Hamburgerin, die in einfachen Verhältnissen aufwuchs, finden sich an allen Ecken und Enden.

Gleichzeitig gilt Haiyti als Liebling des Feuilletons, sie selbst sagt über ihr Publikum: "Die Modus-Mio-Kids kommen nicht zu mir, eher die Fashion-Leute oder Leute, die sich mit Hip-Hop auskennen und Rap-Fans sind." Ist das nun Straße oder Kunst? Egal, meint Haiyti: "In Hamburg kann das zusammengehen. Auch wenn das für Andere manchmal schwer zu verstehen ist."

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